Von Maria Huber

ZEIT: Sie haben einmal gesagt, in der Politik könne es Kompromisse geben, in der Wirtschaft nicht. Weil Gorbatschow Kompromisse mit den Konservativen einging, hatten Sie vor dem Londoner Weltwirtschaftsgipfel beschlossen, dem sowjetischen Präsidenten nicht länger zur Verfügung zu stehen. Jetzt tun Sie es doch wieder. Haben Sie das Vertrauen wiedergewonnen?

Jawlinskij: Ich war früher der Meinung gewesen, und ich bin es jetzt wieder, daß es eine Chance gibt. Wenn sich die Chance nicht nützen läßt, werde ich abermals aussteigen. Ich werde nur gemäß meinen Prinzipien mitarbeiten.

ZEIT: Welche Prinzipien sind denn das?

Jawlinskij: Es kann uns die Aufgabe gestellt werden, eine föderative Regierung neu zu bilden, die von den verbleibenden Republiken legitimiert wird. Es kann uns aber auch die Aufgabe gestellt werden, von Rußland aus die Reformen voranzutreiben und dafür das Einverständnis der übrigen Republiken zu erlangen. Und es kann uns schließlich eine ganz andere Aufgabe gestellt werden, nämlich sicherzustellen, daß sich alle Republiken in Vernunft und Frieden voneinander trennen. Entscheidend ist jetzt die Frage nach der Staatsform: Föderation, Konföderation oder Rußland. Ich bin ernannt worden, um nach bestem Wissen eine Regierung vorzubereiten. In meinen Entscheidungen bin ich frei. Ich werde die Kompromisse durchdenken, die möglich sind, und mir eine entsprechende Position erarbeiten. Ich will mich in der politischen Diskussion klar dazu äußern, was jetzt getan werden muß. Hier unter dem Arm habe ich die Mappe mit dem Entwurf über die Aufgaben, Funktionen und möglichen Varianten einer neuen Regierung.

ZEIT: Wann haben Sie diese Varianten vorbereitet?

Jawlinskij: In den vergangenen beiden Nächten.