Hoch das deutsche Vaterland!

Wie Ernst Moritz Arndt 1813 forderte: Das ganze Deutschland soll es sein, so begehrt der CDU-Bundestagsabgeordnete Wilfried Böhm seit 1976: Das ganze Deutschland-Lied soll es sein. Dazu hat er schließlich den Förderkreis Deutschland-Lied gegründet. Dessen Vorsitzender Böhm wird nicht müde, darauf hinzuweisen, daß außer der dritten, jetzt für die ganze Republik verbindlichen, Strophe auch die erste (... über alles) und die zweite (Deutsche Frauen, deutsche Treue) rechtens zur Hymne gehören.

Dabei fehlte vor 150 Jahren nicht viel, und aus unserer späteren Nationalhymne (seit 1922) wäre eine Becher-Hymne im Sinne des Wortes geworden und der Dichter Hoffmann von Fallersleben nur durch seine Kinderlieder („Ein Männlein steht im Walde“ und „Alle Vögel sind schon da“) berühmt. Denn der Verleger Campe zahlte Hoffmann für sein just auf Helgoland entstandenes Gedicht zwar anstandslos das geforderte stattliche Honorar von vier Louisdor, schlug aber vor, die Zeilen „Blüh im Glanze...“ zu ersetzen durch: „Stoßet an und ruft einstimmig: Hoch das deutsche Vaterland“. Hoffmann hat solches Prosit am Ende der dritten Strophe abgelehnt. Auch so wurde es ein Erfolg wie Beckers Rheinlied „Sie sollen ihn nicht haben“, worauf Campe von vornherein spekuliert hatte. Den Pfiff besorgte dann noch die Anleihe bei Haydn. Schon drei Tage nach dem teuren Ankauf lag Hoffmanns Lied mit der unterlegten Haydn-Hymne „arrangiert für die Singstimme mit Begleitung des Pianoforte oder der Guitarre“ im Druck vor. – Ein Dementi zur Meldung, der Förderkreis des Abgeordneten Böhm fordere die Wiedergabe der Hoffmann-Hymne durch eine Singstimme mit Begleitung der Guitarre erwarten wir stündlich.

Ab ohne Schaden

Der Vorsitzende (auch der SPD-Medienkommission) Engholm grämt sich, daß nahezu alle Direktoren des Mitteldeutschen Rundfunks aus dem Westen kommen und der CDU angehören; das verursachte Sorge um den „Fortbestand des parteifernen und staatsunabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunks“. Als gäbe es den noch. Der Mann aus Schleswig-Holstein sollte sich lieber freuen: Nach Sachsen wandern auch hochrangige Funktionäre des NDR aus, von denen einige als weiland Barschels Intimi bekannt geworden sind. Deren Planstellen kann Engholm nun nach Proporz neu besetzen, nach seinem Gusto. Für Sachsen aber gilt wie für Schleswig-Holstein: Cuius regio, eius radio.