-
Ausgabe 52/1991

Artikelübersicht
Im Inhaltsverzeichnis dieser ZEIT-Ausgabe finden Sie ab dem Erscheinungstag die Artikel der ZEIT und des ZEITmagazins aufgelistet, die bereits online sind und von Ihnen abgerufen werden können.
- Politik
-
Retter in der Steilwand
Behandeln wir die ehemalige Sowjetunion wie Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg oder wie Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg?“ James Billigton, der Direktor der Library of Congress, ein Ost-Historiker, findet in der geschichtlichen Analogie seiner Frage sogleich auch die Antwort: Die im Entstehen begriffene Demokratie dürfe von den anderen Demokratien politisch wie ökonomisch nicht im Stich gelassen werden, andernfalls wende sich das ehemalige sowjetische Reich dem Faschismus zu.
Von Ulrich Schiller
-
Vereint im Mißtrauen gegen Moskau
Es waren die letzten Stunden vor dem Untergang der Sowjetunion. Noch standen der entscheidende Spruch des russischen Parlaments und das Urteil der fünf asiatischen Republiken aus.
Von Christian Schmidt-Häuer
-
Ein Wendehals mit Augenmaß
Benjamin Disraeli, der Führer der britischen Konservativen, malte sich einmal aus: „Die Liberalen beim Baden im Freien erwischen und sich heimlich mit ihren Kleidern davonmachen.
Von Christian Schmidt-Häuer
-
Vom 1. Januar an dürfen die Opfer der DDR-Staatssicherheit Einsicht in ihre Akten nehmen. Für Joachim Gauck, den Sonderbeauftragten der Bundesregierung, beginnt die eigentliche Arbeit.
„Ich will nicht Richter sein“
Der Rechtsstaat und die Bürde der Stasi-Vergangenheit: ein ZEIT- Gespräch mit Joachim Gauck
Von Robert Leicht und Christian Wernicke
-
Bonner Bühne
Kaviar für den Kanzler
Vor zehn Jahren kam die Affäre ins Rollen, jetzt scheint die Zeit für Abrechnungen zu nahen. Eberhard und Helga von Brauchitsch haben jedenfalls einen Anfang gemacht, in einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung.
Von Gunter Hofmann
-
Der Fluch der Bombe
Moskau, Minsk, Kiew, Alma-Ata – wer kontrolliert die Atomwaffen der zerfallenden Weltmacht?
Von Christoph Bertram
-
Worte der Woche
„Ich weiß nicht, welchen Weg ich selbst gefunden hätte. Ob ich in den Westen gegangen wäre, ob ich die Kraft besessen hätte, das Zuchthaus zu riskieren, ob ich Kompromisse eingegangen wäre oder ob ich mich in eine Nische zurückgezogen hätte.
-
Asiatischer Schulterschluß
Vordergründig blieb alles unverbindlich: ein bißchen Handel, ein bißchen Zusammenarbeit bei der Raumfahrt, die Wiedereröffnung der jeweiligen Generalkonsulate in Bombay und Schanghai.
-
Parteitag in Paris
Kampf der Diadochen
Die französischen Sozialisten hadern mit sich selbst und mit ihrem Präsidenten
Von Joachim Fritz-Vannahme
-
Rückblick: Kurden im Nordirak
Wieder auf der Flucht
Es schneit wieder in den Bergen von Kurdistan. Doch in diesem Winter sind keine Fernsehkameras da, um das Tanzen der Schneeflocken einzufangen.
-
Zeitspiegel
Kurz vor Redaktionsschluß: Der Graphiker fragt den Redakteur, wie denn auf der Karte für das Nahost-Dossier jener Zipfel zu bezeichnen sei, der hinter Türkei und Iran in den Bildausschnitt hineinragt.
-
Gute Absichten?
Es ist ein erbärmliches Gefühl, vor dem Fernseher zu sitzen und tatenlos die Bilder sinnloser Zerstörung und zielloser Flüchtlingsströme ansehen zu müssen.
-
Weltbühne
Weihwäßriger Ausklang
Wer in sich geht, braucht nicht außer sich zu sein – selbst dann nicht, wenn seine heile Welt aus den Fugen gerät. So dämpften die katholischen Bischöfe aus Ost- und Westeuropa beim Austausch ihrer Erfahrungen sowohl ihren Pessimismus gegenüber der modernen Welt wie ihren missionarischen Eifer.
- Wirtschaft
-
Enttäuschte Hoffnungen
Ein klares Wort hätte man sich gewünscht, eine deutliche Entscheidung, um endlich den Streit um die Pflegeversicherung zu beenden.
-
Markt-Report
Schlechte Perspektive
Je näher das Weihnachtsfest und die Jahreswende rücken, desto geringer werden die Umsätze an den deutschen Aktienmärkten. Von einer Jahresschluß-Rallye, wie sie sonst gelegentlich vorkommt, war bisher nichts zu spüren.
-
Bonner Kulisse
Bundeswirtschaftsminister Jürgen Möllemann, der sich stets um den Eindruck bemüht, daß er nichts und niemanden fürchtet, gestand überraschend Angst ein – vor dem „unsäglichen“ Jahr 1994.
-
Energiepolitik
Nur eine Show
Niemand kann der Bundesrepublik nachsagen, daß sie innerhalb der Europäischen Gemeinschaft das Schlußlicht bildet. Oft genug hat Bonn sogar Signale gesetzt und ist damit gut gefahren.
-
Weihnachten auf Pump
Feste Vorsätze
Alle Jahre wieder werden landesweit eiserne Sparbeschlüsse gefaßt. Wenn das Weihnachtsgeld auf den Girokonten eingeht, nehmen sich Väter, Mütter und Alleinstehende vor, diesmal weniger fürs Fest auszugeben.
-
Ostdeutsches Arsenal
Pannen beim Ausverkauf
Die Affäre datiert vom 26. Oktober. Damals enttarnte die Hamburger Wasserschutzpolizei den Export „landwirtschaftlicher Maschinen“ als eine Schiffsladung voller Waffen der ehemaligen DDR-Armee.
Von Wolf/king Hoffmann
-
EG-Einzelgänger Großbritannien
Das Taiwan Europas
Warum die britischen Konservativen allergisch gegen die Brüsseler Sozialpolitik sind
Von Wilfried Kratz
-
Nikolaus Piper:
Offenheit hat einen Preis
Ein Herz für Rußland, ein Paket für St. Petersburg, Zahlungsaufschub für die Außenwirtschaftsbank der Sowjetunion: Während im einstigen Weltreich das Chaos um sich greift, versucht der Westen mit vereinzelten und meist unkoordinierten Hilfen den Schaden für die betroffenen Menschen und für sich selbst zu begrenzen.
-
Eine Frage des Vertrauens
ZEIT- Gespräch mit Bundesbankpräsident Helmut Schlesinger über die Europäische Währungsunion
Von Thomas Hanke und Roger de Weck
-
Einkommensteuer
Mal legal, mal illegal
Mit raffinierten Tricks bringen Geldanleger und Banken den Staat um Milliardeneinnahmen
Von Udo Perina
-
Bonn greift ein
Als der CDU-Abgeordnete Wolfgang Engelmann aus dem sächsischen Wahlkreis Annaberg-Stollberg-Zschopau am vergangenen Donnerstag mit seinem kurzen Referat fertig war, zeigte sich Helmut Kohl beeindruckt.
Von Peter Christ
-
Nebenkosten verderben den Spaß
Stolz präsentierten die deutschen Banken in den vergangenen Wochen ihre Halbjahresbilanzen. Mit kräftig gewachsenen Bilanzsummen und Ertragszuwächsen erfreuten sie ihre Aktionäre.
- Wissen
-
Schandfleck getilgt
Eine Peinlichkeit war die Resolution 3379 der Generalversammlung der Vereinten Nationen schon gewesen, als sie 1975 verabschiedet wurde.
-
Lohn der Eile
Die Skepsis nach dem Maastrichter Gipfel war berechtigt. Bei ihrem Treffen Anfang der Woche haben die zwölf Außenminister vor Augen geführt, wie schwer der Gemeinschaft die angestrebte gemeinsame Außenpolitik noch fällt.
Von Dieter Buhl
-
Zweisteins bittere Erfahrung beim Umgang mit High-Tech
Kehrseite des Computers
Schämen sollten sich die Menschen, welche die Wunder der Wissenschaft und Technik gedankenlos hinnehmen und nicht mehr davon geistig erfaßt haben, als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie mit Wohlbehagen frißt.
-
Perfekt erhaltene Ur-Tiere
Das Ungeheuer bewegte sich mit zehn Beinen voran. Es beobachtete seine Umwelt durch ein einziges riesiges Auge, das in Form einer Blase vorn am Kopf saß.
-
Spiel auf Zeit
Versöhnung ohne Vertrauen? Wie soll das funktionieren? Die Südkoreaner reagieren zu Recht skeptisch auf die „Vereinbarung über Versöhnung, Nichtangriff, Austausch und Zusammenarbeit“, die ihre Regierung in der vergangenen Woche mit dem nordkoreanischen Diktator Kim II Sung geschlossen hat.
-
Je nach Art der Erkrankung können Antibiotika oder Antikörper Rheumaleiden lindern
Die vergessene Volkskrankheit
Es ist erstaunlich: Über viele Krankheiten, die uns ein Leben lang plagen und schwer behindern können, deren Linderung obendrein gewaltige Summen verschlingt, ist in Forschungsberichten relativ wenig zu lesen.
Von Hans Harald Bräutigam
-
Abgeblockt
Den größten Wirtschaftsblock der Welt wollen die Europäische Gemeinschaft und die sieben Staaten der westeuropäischen Freihandelszone Efta bilden.
-
Keine Flucht vor der Vergangenheit
Zu Anfang der Woche wollte in Moskau im hektischen Hin und Her niemand mehr so recht die Flucht des einstigen Staats- und Parteichefs nach Nordkorea aufhalten.
Von Robert Leicht
- DIE ZEIT
-
KOLUMNE
Die Wiederkehr des Nationalen
Ein voreiliger Historiograph wollte im Ende des kommunistischen Weltsystems das Ende der Geschichte sehen, nämlich das Ende der Kriege und den Ausbruch des Friedens.
Von Richard Schröder
-
Welche Folgen hat der Reichtum für die Kultur eines Landes?
Das deutsche Fettauge
Geld allein, sagt der Volksmund, macht nicht glücklich. Aber es macht reich. Die Deutschen sind, selbst nach der Vereinigung, eines der reichsten Völker der Erde; reicher als die ehemals reichen Amerikaner, reicher als die einst beneideten Schweden, reich wie das Vorbild aller, die reich werden wollen, die Schweizer.
-
Relais & Châteaux
Der Code der fünf C
Wenn Hotelketten schon sein müssen, weil sich en gros rationeller wirtschaften läßt als en detail, da sind diejenigen die besten, die ihren verantwortlichen Direktoren am jeweiligen Ort die größten Entscheidungsfreiheiten einräumen.
Von Rudolf Walter Leonhardt
-
Kurz und schmerzlos
Ein Vorschlag zur Entlastung unserer Gerichte: Notare und Standesbeamte scheiden Ehen
Von Eva-Marie von Münch
-
CDU-Parteitag in Dresden
Kanzlerfriede für die Blockflöten?
Zweimal im Leben hat Helmut Kohl, wenn wir den Bundeskanzler beim eigenen Wort nehmen, gehörig Glück gehabt. Einmal ist er – 1930 – spät genug auf diese irre Welt gekommen, so daß er im System des Nationalsozialismus nicht mehr schuldig werden konnte.
Von Werner A. Perger
-
Verhaltenstherapie für Tiere? Da lachen ja die Hühner. Aber nicht mehr lang.
Auf die Couch, ihr Hunde
Zu den größten Erfindungen dieses Jahrhunderts zählt ohne Frage die Psychotherapie für Tiere................................
-
PDS-Parteitag in Berlin
Sich selbst im Wege
So überragend ist Gregor Gysis Stellung in der PDS, daß er sogar für seine Niederlagen selber sorgt. Der am vergangenen Wochenende in Berlin versammelte Parteitag zeigte sich verblüfft, als der sonst so geschickte Vorsitzende derart plump zugunsten seines Kandidaten für das Amt des Geschäftsführers intervenierte, daß er damit nur die gegenteilige Wirkung erzielen konnte.
Von Carl-Christian Kaiser
-
Hessen
Auf schroffem Felsen der Dom
Vom Fenster meines Hotels in Limburg blicke ich auf die tannengrüne Lahn, die von der achtbögigen, 1346 fertiggestellten grauen Steinbrücke überquert wird.
-
Greis auf der Flucht
Kurz ist es her, da zogen sie zu Hunderttausenden durch die Berliner Karl-Marx-Allee. Die Maisonne beschien den kilometerlangen Menschenwurm.
-
Größe noch im Scheitern
Michail Gorbatschow hat die Welt verändert, aber sein Reich nicht retten können
Von Theo Sommei
-
Weltweit feiert man in diesem Jahr seinen 500. Geburtstag – Ignatius von Loyola, Begründer des Jesuitenordens
Ein Spiel mit Gott
Ein Jesuit! ’s gibt Jesuitenfleisch zu essen!“ rufen vor dem Frühstück freudig die Wilden in Voltaires satirischem Roman „Candide“ und umtanzen den Titelhelden, der gefesselt neben einem Topf liegt, in dem schon das Wasser brodelt.
Von Michael Winter
-
Harry Rowohlt: Pooh’s Corner
Gar nicht wahr. Aber ich befinde mich gerade auf Seite 193 eines südkalifornischen Krimis, den ich als Strafarbeit für meinen Zürcher Lieblingsverlag übersetze, insgesamt hat das Werk 215 Seiten, mithin sind, Augenblick, 89,302325 Prozent gelutscht, und man könnte es sich selbst überlassen, der Held funkelt mehr oder weniger vor sich hin, so gut wird es ihm auf dieser Seite nie wieder ergehen, gleich ruft er nämlich seine Freundin Mae an, ganz mechanisch, weil er vergessen hat, daß er sich mit ihr verkracht hat, und im Augenblick ist mir sein weiteres Geschick dermaßen sterbenswurscht, daß er von Glück sagen kann, wenn ich ihn nicht vermittels eines vergifteten Pitralons fünf Seiten lang siechen lasse.
-
Wolfgang Ebert
Ich bin pervers
Ich kann nicht länger schweigen. Bevor mich die Prosa von Praunheim in den Medien „explosiv“ enttarnt, trete ich die Flucht nach vorn an, denn ich bin den Lesern dieser Kolumne ein Bekenntnis schuldig.
-
Im heiligen Zorn für den Herrn
Wie es überhaupt dazu kam, daß Fulda ein auserwählter Ort wurde, das läßt sich für Nachgeborene am besten in alten Episteln nachlesen: in Briefen, die Bonifatius, Apostel der Deutschen, selbst schrieb oder empfing.
-
Wasser ist Frieden Kein Wasser ist Krieg
Die Israelis lieben Ausflugsziele, von denen sie einen Blick in Feindesland werfen können. In Hammat Gader gibt es neben heißen Mineralquellen, Warmwasserrutschbahnen und der Möglichkeit, sich an Sabbat- und Feiertagen (oder nach vorheriger Anmeldung) mit einem Krokodil photographieren zu lassen, einen Aussichtspunkt auf den Jarmuk.
-
Seit einiger Zeit ist die literarische Debatte eine Debatte über die Moral der Schriftsteller. Kann jemand, der ein Schwein ist, ein guter Künstler sein? In Deutschland ist die Frage nach der Meisterschaft des Künstlers entmoralisiert. Ruhm oder Rudern, das ist die Frage. Schuld an der Trennung von Kunst und Moral ist Goethe. Aber wenn die Seele verlumpt, dann verlumpt auch die Kunst. Der folgende Essay ist auch ein Beitrag zum gegenwärtigen Streit über die Kunst des Verrats und den Verrat der Kunst.
Bald Schwein, bald Schmetterling, oder: Die Moral der Kunst ist die Moral
„Das Talent eines Menschen versöhnt uns oft mit der Fragwürdigkeit seines Charakters ... Niemals aber sind wir geneigt, uns durch die Vortrefflichkeit eines Menschen gegenüber seiner Talentlosigkeit milder stimmen zu lassen.
- Gesellschaft
-
Talfahrt
Es sieht ganz einfach aus: keine störenden Stöcke, null Problem, die Füße beisammenzuhalten, und breit genug wirken die Dinger ja auch.
Von Steffen Köpf
-
Eine Jugend in den Midlands
Nuneaton in Warwickshire ist eine Stadt, an der man gern vorüberfährt. Sie hat so gar nichts Herausragendes an sich, vielmehr führen viele breite Straßen direkt an ihr vorbei.
-
Manager und Märkte
Conti: Abgang im Ärger TÜV Rheinland: Bleifuß mit Folgen BASF: Vorstoß ohne Erfolg
-
Ausstellung in Zürich: Johann Caspar Lavater und seine Physiognomik
Grüsige Schädel
Lavater nicht, nee, muß nicht sein. Dabei haben die Zürcher ihrem Sohn (wie man so sagt) eine wirklich großzügige Ausstellung zum 250.
-
Gratwanderung
Die Konjunktur in Westdeutschland wird nun, nach einem Ausnahmejahr dank Wiedervereinigung, von der rauhen Wirklichkeit eingeholt.
-
Fernsehkritik
Wirklich furchtbar
Man sagt ihm nach, dem großen Blonden mit der schnellen Zunge, daß er wisse, wie man einen Markt bedient. Thomas Gottschalk ist längst mehr als ein Showmaster: Er ist ein Markenartikel.
Von Benedikt Erenz
-
Fernseh- Vorschau
Ossis live
Aus mehr als dreihundert Stunden Filmmaterial von Normal 8 bis Video wurden drei Stunden herausgefiltert und auf vier mal fünfundvierzig Minuten verteilt: Geschichten vom Alltag in vier Jahren Ostzone und vierzig Jahren DDR.
Von Martin Ahrends
-
Berliner Adressen
Lustgarten
Straßen-Umbenennungen sind Denkmalsstürze ohne Bagger und großes Gerät. Umbenennungen wie Sockelfall sind Racheakte des Zeitgeistes von heute, wenn ihm der von gestern als Schreckgespenst oder Spuk erscheint.
-
DAS LETZTE
Beim dritten Lichtlein ist es soweit. Die Katze wälzt sich glücklich vor der Nachtspeicherheizung, die lieben Kleinen lutschen selig an den Weihnachtskerzen, und er ist da: der Weihnachtsfreund im Menschen.
-
Preisgünstig Seeluft schnuppern
Das Winter-Arrangement des Ostseebades Haffkrug-Scharbeutz heißt „Eine Woche Ostseetraum“. Die Hotelübernachtungspreise bewegen sich zwischen 225 und 385 Mark pro Woche, Ferienwohnungen sind zu Wochenpreisen zwischen 510 und 640 Mark zu mieten.
-
Nachts nach Paris
Mit neuen Direktverbindungen für Schlaf- und Liegewagen hat die Bundesbahn ihren Nachtreiseverkehr verbessert. Nicht nur in den Süden bis Neapel oder Athen rollen die Züge, sondern jetzt auch in die Tschechoslowakei.
-
Kooperation: Studienreisen gebündelt
Unter dem Namen „Klingenstein & Partner“ firmieren sechs Unternehmen, die zwar allesamt selbständige Firmen bleiben, ihre Studienreisen jetzt jedoch gemeinsam vertreiben.
-
Kollege M.
Zum Abschluß seines Jahres: eine imaginäre Feier mit dem Komponisten im Kreise seiner Bewunderer (samt einem überraschenden Ehrengast)
Von Walter Jens
- Kultur
-
Zeitmosaik
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat beschlossen, die Brandenburger Kleist-Ausgabe (BKA) vom 1. Januar 1992 an zu fördern.
-
Verlorene, gewonnene Schlachten
Der Titel stimmt: „Vier Jahrzehnte – Ein Werkstattbericht“. Korrekt werden wir beliefert mit Namen, Titeln, Daten, Zahlen, Konstruktionsplänen, Entwürfen, Fragmenten, Resten, Verworfenem, Liegengebliebenem oder auch nur Vergessenem – und mit vielen Bildern.
Von Rolf Michaelis
-
Kein Mann der Ausflüchte
Friedersdorf – sagt Ihnen nichts?
Es fällt schwer, sich dem Charme von Wolf Jobst Siedler zu entziehen. Das war Anfang der sechziger so, als der Schreiber dieser Zeilen im Berliner Tagesspiegel volontierte.
Von Haug von Kuenheim
-
Theater in München: Ibsens letztes Werk „Wenn wir Toten erwachen“
Lebendig tot
Wieder ein Münchner Zadek. Können Städte, das Kunst-Klima einer Stadt, der lebendige Geist eines Theaters die Inszenierungen eines Regisseurs prägen? Zadeks Arbeiten für Hamburg: „Othello“, „Lulu“, „Andi“ – immer ist die Reeperbahn nah, nicht nur wegen viel bloßer Haut, sondern vor allem wegen der robusten Direktheit, der bis zur Brutalität gereizten Offenheit und Sprengung aller Form.
Von Rolf Michaelis
-
Perlenfischer & Co.
Es gibt Bücher, die machen glücklich und traurig zugleich. Glücklich, weil ihr Inhalt einem den Kopf und die Sinne füllt. Traurig, weil man nicht dabei war, nicht teilnehmen, sondern nur noch nachlesen kann, weil alles vergangen und verschwunden ist.
-
Lexikon des Mittelalters
Lückenhaft
Der Untertitel verspricht „Ein Lexikon des Mittelalters“. Doch schon im Vorwort schränkt Wilhelm Volkert das Programm ein; sein enzyklopädischer Blick richtet sich leider bloß auf die Zeit von circa 900 bis 1500 und auf den Raum des deutschen Reiches.
Von Bergwerksanteil
-
Leben im Leiden: Simone Weil
Immer ganz in der Wahrheit
Über die französische Philosophin Simone Weil (1909 bis 1943) sind schon so viele Klischees in Umlauf gebracht worden, daß es keinen Sinn macht, ein weiteres zu erfinden.
Von Hans-Martin Lohmann
-
Vom Neuen Denken der Deutschen
Der Historiker Arnulf Baring hat ein ehrliches Buch veröffentlicht, das zeigt, wer wir wieder sind
Von Otto Köhler
-
Agnes Martin – eine fällige Entdeckung
Malerin der Nebelwände
Wie berühmt muß ein Künstler sein, um als Einzelgänger gelten zu dürfen? Seit der krisengeschüttelte Kunstmarkt sich seiner zuvor hinter Erfolgsbilanzen getarnten Unsicherheiten bewußt wird, werden Etiketten noch eifriger verteilt als zuvor.
Von Doris von Drathen
-
Zeit zum Hören
Wenn wir Wohlstandsbürger heutzutage im Dezember oder Januar frieren oder wegen des tristen Wetters depressiv werden, dann steigen wir ins Flugzeug und fliehen vor der kalten, mitteleuropäischen Realität in den Süden, zur Sonne, zur Wärme.
Von Eckhard Roelcke
-
Prag: Ständetheater restauriert und wiedereröffnet
Der kleine Triumph
Eine solche Rekonstruktion, sagt die Operndirektorin, dauere meist länger als der ursprüngliche Bau selbst. In nur zwei Jahren (von 1781 bis 1783) ließ Franz Anton Graf von Nostitz-Rieneck ein (dann zunächst nach ihm benanntes) Theater für die Prager Bürger bauen – aber ganze acht Jahre lang haben jetzt die Restaurateure an der Wiederherstellung des klassizistischen Gebäudes gearbeitet, haben es mit einem Fundament unterfüttert und Interieur, Technik und Fassaden erneuert.
Von Claus Spahn
- Länderspiegel
-
Mächtige und Ohnmächtige
„In der pluralistischen Gesellschaft ist die Kirche eine Stimme unter vielen. Zu allen wichtigen Fragen könnte ich Erklärungen vorlegen, aber sie werden schnell wieder vergessen.
-
Bayern
Den Linken zu rechts, den Rechten zu links
Postenschacher und Intrigen – wie lange bleibt Deutschlands dienstältester Bischof noch im Amt?
Von Markus Schwer
-
Brandenburg
Biwak hinterm Grundgesetz
Schulfach Lebensgestaltung statt Religion – Bildungsministerin Birthler streitet mit den Kirchen
Von Michael Klonovsky
- Lebensart
-
Ben Witter
Nebbich
-
Thomas Strittmatter
Schwärzer als der Schwarzwald
Theaterstücke, Drehbücher, Prosa: Aus dem „Talent“ wurde ein preisgekrönter Autor
Von Katja Marx
-
Gute Lage als Verhängnis
Klaus Lindballe ist sauer auf die Treuhand. Er will die Möbelwerke bei Neuruppin kaufen, aber inzwischen hat die Treuhand einem Holländer den Zuschlag gegeben, der hier Boote bauen will.
Von Marlies Menge
-
Welt-Hitliste in „Newsweek“ – von deutschen Lehrern und Schülern sind Amerikaner schier begeistert
Thusnelda ist die Beste
Aufgeregt rief neulich eine Freundin an: „Ich habe auf einer der zehn besten Schulen der Welt mein Abi gemacht – auf dem Gymnasium Thusneldastraße in Köln-Deutz!“ Eine solche Behauptung verlangt Beweise, besonders für jemanden, der sein Abi zum Beispiel an der Kaiserin Augusta Schule in Köln Mitte gemacht hat oder an Theophanu oder Hildegard von Bingen oder sonst einer hohen Kölner Frau.
Von Sabine Etzold
-
ALLTAGSSACHEN
Eine Sammlung von allerlei notwendigen Gebrauchsgegenständen, gesehen von Manfred Sack
-
Madrid: Grausame Fernsehbilder eines Attentats sollen die Eta beeindrucken
Blut und Tränen, immer wieder
Vor zwei Monaten hat sich in der Millionenstadt Madrid eine menschliche Tragödie ereignet: Wie immer verlassen am Morgen dieses 17.
Von Volker Mauersberger
-
Zeitlese
Da wir heute den Blick ins Rheinland richten, zunächst eine Bemerkung in eigener Sache. Wessen Leben vom Norden und seiner endlosen Weite geprägt ist, der tut sich nun einmal schwer, auf Zuruf gewissermaßen aus dem Stand Frohsinn zu entwickeln.
-
Berlin: Kultur en gros
Käufer, hört die Signale
Jetzt wird sublimiert: Soeben hat in Berlin das erste deutsche „Kulturkaufhaus“ eröffnet. So nennt sich die deutsche Dependance des französischen Unternehmenes Fnac.
Von Gabriele Riedle
-
Trotzkopf für zwei Schillinge: Wiedersehen mit meiner Dorfbibliothek
Wenn niemand kommt, ist zu
In meiner Kindheit hatte Taufkirchen an der Prüm ein Kino mit angeschlossenem Lokal, das „Almbar“ genannt wurde. Es gab zwei Bäckereien, zwei Wirtshäuser, einen Metzger und einen Schuster.
Von Stefanie Holzer
-
Böser die Glocken nie klangen
Nie war der Frust größer als zur Weihnachtszeit. Mir ging es nicht anders als den meisten anderen Studenten-Genossen. Weihnachten war für uns ein Graus, ein verlogenes und reaktionäres Spektakel, Fest des faulen Friedens, der Heuchelei und des Konsumterrors.
Von Peter Schutt
- Tribüne
-
Ein Schritt zur Entkrampfung
ITHAKA, N.Y. – Wenn Araber und Israelis in den Friedensverhandlungen erst einmal mit ihren taktischen Manövern aufgehört haben, wird das Thema der jüdischen Besiedlung der besetzten Gebiete unweigerlich den ersten ernsthaften Streit zwischen ihnen auslösen.
Von Shibley Telhami
-
Die Tage der Zwölf sind gezählt
BRÜSSEL. – Die Zeit nach der Europäischen Gemeinschaft bricht an. Die 3300 Eurokraten verlassen ihren EG-Palast. Sie kehren dem Symbol von Jahrzehnten europäischer Harmonisierungsarbeit den Rücken, als ob sie nie alles daran gesetzt hätten, sich dort einen Stuhl zu erobern.
Von Marceil von Donat
-
Kapitulation der kritischen Kunst?
KÖLN. – Die siebzigste Wiederkehr des Geburtstages von Joseph Beuys konfrontiert viele Künstler auch mit der Erfahrung, daß eine Ära künstlerisch inspirierten gesellschaftlichen Umbruchs historisch geworden ist.
Von Ingo Arend
-
VOR VIERZIG JAHREN
Keimende Freundschaft
In London wurde eine britisch-deutsche Gesellschaft ins Leben gerufen, unter deren 25 Gründern sich F.J. Bellenger, Lord Beveridge, Lord Pakenham, Victor Gollancz, Harold Nicolson und Bertrand Russell befinden.
- Zeitläufe
-
BUCH IM GESPRÄCH
Grüner Salto mortale
Bücher aus Politikerfeder sind in der Regel Sammelplätze für Allerweltsweisheiten und daher überflüssig. Von dem Buch des grünen Politikers Udo Knapp kann man das wahrlich nicht behaupten.