Kino: Neues von Doris DörrieDeutschland ist blau

„Happy Birthday, Türke!“: ein Krimi, der keiner sein will von Robin Detje

Von Robin Detje

Man müßte mal – nur ganz kurz – einen Film und das Presseheft zum Film als Gesamtkunstwerk betrachten. Im Presseheft zu „Happy Birthday, Türke!“, dem neuen Film von Doris Dörrie, erfährt der wißbegierige Leser zum Beispiel folgendes: Die Schauspielerin Özay lebt „jetzt so viel wie möglich in Paris“. Der Schauspieler Hansa Czypionka auch, der Liebe wegen nämlich. Und die Augenfarbe hat er ändern müssen für seine Rolle: „Ich trug braune Kontaktlinsen, dazu haben wir Testaufnahmen gemacht.“ Das sind Neuigkeiten!

Dann müßte man ins PR-Gesamtkunstwerk auch noch miteinbeziehen, was vor dem Filmstart so an Gerüchten an die Öffentlichkeit dringt. Von den Dreharbeiten zu „Happy Birthday, Türke!“ war zum Beispiel zu hören, der Autor der Buchvorlage und Koautor des Drehbuchs, Jakob Arjouni, habe sich plötzlich und mit Pomp aus der Produktion verabschiedet. Künstlerische Differenzen! Trockener, öffentlicher Kommentar seiner Koautorin D. Dörrie: „Jeder inszeniert so gut er kann!“ Wie wahr. Und wie hübsch und blöd es in der Branche brummt und knattert.

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Nur Frau Dörrie knattert nicht; die ist, wie wir gleich sehen werden, eine besonders ernsthafte Regisseurin.

Über „Happy Birthday, Türke!“ hört man aus der Branche übrigens (und das ist garantiert die letzte Vorbemerkung vor der Rezension), das sei „eigentlich ein ziemlich guter deutscher Film“. Übersetzt heißt das in etwa: Für einen deutschen Film ist er ganz gut. Etwas Gemeineres kann man über einen Film gar nicht sagen – aber „Happy Birthday, Türke!“ beschreibt der Satz recht genau.

Grundfarbe des Films: Blau! Der Frankfurt-Blues. Bläulicher Müll fällt aus einem Greifarm auf noch mehr bläulichen Müll. Und plötzlich: Müllmänner in grellorangen Hosen! Plötzlich rammt so ein Müllmann dem Hauptdarsteller die Faust in den Magen – ganz ohne Grund. Und der kotzt ins Waschbecken. So ist Deutschland.

Grundstimmung: ernst! Sehr ernst! (Und sehr deutsch.) Todernst sitzt der Detektiv vor dem Fernseher und säuft. Sein Darsteller (Hansa Czypionka, Paris) muß andauernd ernst sein, daß er fast gar nicht mehr schauspielen darf. Bloß das Gesicht nicht verziehen! Und überhaupt: bloß keinen Krimi drehen! Bloß keinen Spaß, bloß keine Spannung, bloß keine Unterhaltung! Deutschland ist blau, und alle sind ernst. Stumm sitzt der Detektiv vor der stummen türkischen Familie seiner Auftraggeberin und wartet. „Manchmal hasse ich meine Familie“, sagt sie. Das ist ja auch wirklich nicht komisch.

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