Noch ist sie nicht einmal gebildet, da hat die neue baden-württembergische Landesregierung schon ein häßliches Etikett: eine „Koalition der Verlierer“.

Rechnerisch ist dem gewiß nicht zu widersprechen. CDU und SPD haben am 5. April böse Stimmenverluste hinnehmen müssen. Inhaltlich sehen es die Väter des Bündnisses naturgemäß anders. Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) nennt die Koalitionsvereinbarung ein „tragfähiges Fundament“ für die künftige Regierungsarbeit. Der vom Gegner zum Partner mutierte SPD-Fraktionschef Dieter Spöri schwärmt gar von einer „Reformkoalition“.

Das ist, vorderhand jedenfalls, ein großes Wort für eine aus blanker Not beschlossene Verbindung auf Zeit. Der als Fraktionschef scheidende Grüne Rezzo Schlauch sieht denn auch eine „fast hilflose Status-quo-Koalition“ entstehen, die „insgesamt keine neuen Perspektiven eröffnet“. Und „wenn die SPD“, die wie die CDU auf einem außerordentlichen Parteitag noch im Mai die Abmachungen absegnen muß, „noch ein bißle ein Kreuz hat, muß sie nachverhandeln“.

In dieser Einschätzung mag Enttäuschung darüber mitschwingen, daß eine schwarz-grüne Zusammenarbeit nicht zustande gekommen ist. Doch trifft sie die Sache recht genau. Und nicht allein Schlauch blickt gespannt auf die SPD-Basis. Das tut auch Erwin Teufel, wenn er sagt, „Geist und Wille der Vereinbarungen“ seien wichtiger als das fixierte Programm.

Schön wäre es. Denn im Programm findet sich wenig Aufsehenerregendes. Es zeigt, daß die SPD, wohl aus Furcht vor Neuwahlen, mehr Federn lassen mußte als ihr größerer Partner.

So konnte sie weder die Stillegung des als „Schrottreaktor“ beschimpften Kernkraftwerks Obrigheim durchsetzen noch den Verzicht auf den Standort Kehl für eine Sondermüll-Verbrennungsanlage. Auch die propagierte Abschaffung des schlecht bezahlten mittleren Dienstes der Polizei blieb auf der Strecke. Und die geforderte Neueinstellung von Lehrern dürfte ebenso mit dem grundsätzlichen Finanzierungsvorbehalt des Sparprogramms kollidieren wie die Förderung von 100 000 Sozialwohnungen in der kommenden Legislaturperiode.

Da auch die bundespolitischen Impulse schwach ausgefallen sind, kann die Stuttgarter Koalition nicht als Modell für eine große Koalition in Bonn gedacht sein. Von dort aus hat man gewiß nach Stuttgart geschielt, jedoch, wie überall bekundet wird, keinerlei Einfluß genommen.