Jetzt muß ich den Jungs aber wirklich mal zeigen, wie man das bei uns zu Hause macht.“ Schon eine ganze Weile beobachte ich die drei Schotten am Nachbartisch einer kleinen Dorfkneipe bei Durness, ganz oben an der Nordküste Schottlands.

Wie kann man bloß so umständlich sein? Knobeln die da um das nächste Pint Bitter und die nächste Runde Malzwhisky und machen sich das Leben schwer.

So was Ähnliches wie „Lügen“ oder „Meier“ muß das wohl sein, was die drei Burschen mit dem unverständlichen Akzent da mit zwei Würfeln spielen. Die beiden Würfel sind unter einem abgegriffenen Lederbecher verborgen. Der Becher steht auf dem Tisch, und wer an der Reihe ist, läßt ihn auf der schweren Holzplatte hin- und herrutschen, um dann vorsichtig drunter zu blinzeln. Dabei verrenken sich die armen Kerls jedesmal fast den Hals. Was einer dort sieht oder erschwindelt, knurrt er seinem Nachbarn zu. Der hebt entweder zur Kontrolle den Becher hoch oder gibt ihn weiter, ohne drunter zu sehen.

Auch dabei machen es sich die drei unnötig schwer, müssen sie doch den Becher ganz vorsichtig auf der Tischplatte weiterrücken, damit sich die Würfel nicht verändern.

Warum stellen sie nicht den Würfelbecher auf einen Bierdeckel, wie wir zu Hause das tun? Becher und Deckel lassen sich bequem zwischen Daumen und Zeigefinger halten und genauso bequem weiterreichen.

„Klarer Fall“, wird mir plötzlich bewußt, „die können das gar nicht so machen wie wir zu Hause, die haben ja keine Bierdeckel in Schottland.“ Der Wirt leiht mir freundlicherweise ein Messer und überläßt mir einen alten Pappdeckel, den ich auf Bierdeckelgröße zurechtschneide. Ich nehme allen Mut zusammen und lege dann los: „Excuse me, gentlemen, let me show you something.“

Während ich stolz meinen Deckel heraushole und die formvollendete westfälische Variante des Würfeins demonstriere, bietet man mir freundlich lächelnd einen Platz und einen randvollen Krug Bier an.