BERLIN. – Nach monatelangem Streit steht der Einstellung der PDS-Richterin Cathrin Junge nichts mehr im Wege. Mit reißerischen Zeitungsüberschriften hatte der unselige Streit angefangen, mit einem Schreiben der Staatsanwaltschaft geht er nun – recht kleinlaut – zu Ende: Die Ostberliner Richterin Cathrin Junge, wegen ihrer Mitgliedschaft in der SED-Nachfolgepartei als „PDS-Richterin“ tituliert, wird künftig im vereinigten Berlin Recht sprechen dürfen. Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen die 29jährige Juristin wegen des Verdachts der Rechtsbeugung eingestellt.

Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft setzt den Schlußstrich unter einen Streit, der zu einem Lehrstück für politische Verbohrtheit geriet. Zur Erinnerung: Der zuständige Richterwahlausschuß und die Justizsenatorin hatten eine Ernennung Cathrin Junges befürwortet. Als Familienrichterin war sie sogar weit weniger politisch belastet als andere Kollegen, die das in Berlin besonders strenge Prüfverfahren passiert hatten. Nur: Cathrin Junge hatte einen Makel: ihre Parteizugehörigkeit zur PDS. Aufgeschreckt durch Meldungen über die „rote Cathrin“, verweigerte die CDU-Mehrheit im Senat die Unterschrift auf der Ernennungsurkunde und brüskierte damit Justizsenatorin Jutta Limbach und den Richterwahlausschuß. Der Streit wuchs sich zu einem handfesten Krach aus. Die SPD stimmte für die Ernennung der „PDS-Richterin“, die CDU blieb beim Nein. Den rettenden Anker bot schließlich eine Strafanzeige. Ein Anwalt hatte Frau Junge wegen eines einzigen von ihr erlassenen Haftbefehls gegen einen „Republikflüchtling“ angezeigt. Er wollte darin eine Rechtsbeugung sehen. Sollte dieses Verfahren eingestellt oder mit einem Freispruch enden, dann wolle man Cathrin Junge endlich zur Richterin ernennen, lautete der Kompromiß zwischen den streitenden Koalitionären.

Nun ist die Sache entschieden. Das Verfahren ist eingestellt. Die Staatsanwaltschaft ließ dabei zwar die grundsätzliche Frage offen, ob sich DDR-Richter der Rechtsbeugung schuldig gemacht haben, wenn sie Strafen gegen Flüchtende verhängten. Im konkreten Fall jedoch sei nicht nachweisbar, daß Cathrin Junge mit Vorsatz gehandelt habe – und nur das würde eine Anklage rechtfertigen. Die unendliche Geschichte um die „PDS-Richterin“ hat damit ein salomonisches Ende gefunden. Vera Gaserow