Von Werner A. Perger

Das Klima ist schlechter geworden. „Viel schlechter“, behauptet Arnold Vaatz in Dresden. Ihm ist in der neuen vereinten Republik nicht mehr ganz geheuer. „Ich traue mich nicht mehr überallhin.“

Kurt Biedenkopfs Umweltminister, über sein Land hinaus vor allem durch die kompromißlose Auseinandersetzung mit den Altkadern („Blockflöten“) in der Ost-CDU bekannt, beobachtet eine wachsende Aggressivität im Land. Persönlich erfuhr er sie während des Wahlkampfs in Baden-Württemberg. „Das bereitet mir Kopfzerbrechen.“

Irgend etwas ist schiefgelaufen, sagt er, aber was? Im Gespräch mit Besuchern aus dem Westen bietet er eine Erklärung an, die ihm, er weiß es, im eigenen Umfeld wenig Freude einbringen wird: Ein wesentlicher Beitrag zur Verhärtung sei die mangelnde Anerkennung im Osten für die Leistungen, die der Westen für die Einheit erbringe. Es fehlt an Dankbarkeit.

Wie bitte? Das ungläubige Staunen scheint ihn zu beflügeln. „Die Leute im Osten haben vergessen“, sagt Vaatz, „daß die Vereinigung sie vor dem freien Fall bewahrt hat.“ Wie tief der gehen kann, das könnten sie in Polen oder in der Tschechoslowakei, erst recht in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion studieren. Bewahrt habe sie vor diesem brutalen Absturz der finanzielle West-Ost-Transfer in Deutschland, „eine in der Geschichte einmalige Solidarleistung“. Und im Westen, sagt Vaatz, sei bisher „noch keine einzige politisch relevante Regung des Dankes aus dem Osten vernommen worden“, statt dessen mehr oder weniger drohende Forderungen nach vollständiger Gleichheit im sozialen Besitzstand und Wohlergehen. Das müsse doch geradezu, folgert Biedenkopfs junger prominenter Mann, „zu klimatischen Störungen führen“.

Mildernde Umstände läßt Arnold Vaatz nicht gelten. Gewiß, den Deutschen im Osten sei vielleicht zuviel versprochen worden, „blühende Landschaften“ (Helmut Kohl) in wenigen Jahren und daß es keinem schlechter gehen würde. Aber erstens seien die verstopften Straßen gerade in Ostdeutschland nicht gerade ein Hinweis darauf, daß es dort wirtschaftlich schlechter gehe, und außerdem müßten die Menschen den Zustand eben daran messen, wo sie heute ohne die Vereinigung stünden – vor dem sozialen Nichts. Die deutschdeutsche Umverteilungsdebatte, kommentiert von Arnold Vaatz: „Guckt man von oben drauf, dann sieht es so aus, als hätte der Westen dem Osten alles geklaut, und jetzt wird der Osten böse.“

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