Von Wolfgang Zank

In den Konzernzentralen in Paris und im schwedischen Göteborg werden die Gerüchte schon gar nicht mehr dementiert: Renault und Volvo werden in naher Zukunft fusionieren. Die französische Zeitung La Tribune de L’Expansion nannte sogar schon ein Datum: Am 22. Mai wird Renault-Chef Raymond Lévy in Pension gehen, und bis dahin will er den Zusammenschluß unter Dach und Fach gebracht haben.

Mit der Fusion entsteht ein neuer Automobilgigant. Zusammen fertigten die Franzosen und Schweden 1991 etwa 1,8 Millionen Personenwagen. Auf der Weltrangliste landet der neue Konzern damit auf Platz neun. Bei den Lkw über sechzehn Tonnen wird das Unternehmen mit 82 000 Einheiten sogar zum zweitgrößten Produzenten der Welt, übertroffen nur noch von Mercedes.

Die beiden Konzerne werden wahrscheinlich ihre sämtlichen Personen- und Lastwagenfabriken in eine gemeinsame Gesellschaft mit dem Namen Renault Volvo AB einbringen. Konzernteile, die nichts mit Autos zu tun haben, wie etwa Volvos Flugzeugmotoren, bleiben außen vor. Die Franzosen werden mit 51 Prozent der Aktien wohl den beherrschenden Einfluß haben: Einer anderen Variante zufolge bekommen sie sogar 60 Prozent. Louis Schweitzer, der Kronprinz von Renault-Chef Raymond Lévy, soll Vorstandsvorsitzender werden, während Volvo-Stratege Pehr G. Gyllenhammar den Vorsitz im Aufsichtsrat übernimmt.

Schwedens Stolz, der Volvo-Konzern, gerät also unter französische Dominanz. Bislang reagierten die Schweden erstaunlich ruhig. Immerhin können sie sich damit trösten, daß Volvo innerhalb des neuen Unternehmens als eigenständige Organisation erhalten bleibt.

Bereits im März 1990 hatten Renault und Volvo den Abschluß eines Kooperationsabkommens bekanntgegeben. Bald darauf übernahm Volvo Anteile bei Renault, während die Franzosen Miteigentümer von Volvo wurden. Seitdem arbeiten die beiden Autobauer bei der Entwicklung neuer Modelle und der Fertigung einzelner Komponenten zusammen. Weltweite Überkapazitäten, scharfe japanische Konkurrenz und vor allem die rasant steigenden Entwicklungskosten hatten die Volvo-Direktion davon überzeugt, daß die Zeit für Alleingänge vorbei sei.

Renault war aus schwedischer Sicht sicherlich kein Idealpartner, fertigten die Franzosen doch vor allem billige und mittelteure Autos, während die Schweden hauptsächlich Nobelkarossen auf den Markt brachten. Viele Volvo-Händler verzweifelten bei dem Gedanken, in Zukunft mit den französischen „Discountautos“ in einen Topf geworfen zu werden. Entscheidend war wohl, daß Renault, obschon erheblich größer, zu gleichberechtiger Zusammenarbeit bereit war. Andere Automobilkonzerne wollten die Schweden einfach schlucken.