Von Bartholomäus Grill

Wie hat man sich den klassischen Reisenden nach Südafrika vorzustellen? Ganz klar: als Ewiggestrigen, als alten Nazi. Er weint seinen überseeischen Besitzungen nach. Er findet die Apartheid in Ordnung. Er reist auf Kolonialherrenart in schneidiger Khakiuniform, Elefantenbüchse geschultert, Tropenhelm auf dem Kopf, Rassismus im Kopf.

Alles falsch! Unser Tourist, ein redseliger Münchner, trägt das Heinz-Modell: Bermudashorts, Hawaiihemd, Cadenäbbia-Hut. Er hat eine Angel dabei und einen Feldstecher. Außerdem ist er Demokrat. Wir begegnen ihm am Kap der Guten Hoffnung.

Alles falsch? „I hob gar nix gegen die Schwarzn, aber wenn s’ uns ned hättn...“, leitet er seine kleine Volkskunde ein. „Wissen S’, neulich hob i an Neger beim Blumengießn zugschaut. Der weiß doch ned, warum er des tut. Des hod keinen Sinn ned für den. Er macht’s bloß, weil’s ihm da Weiße angschafft hod. Verstehn S’ mi?“

Wir verstehen. Seit sechs Wochen autowandert unser Münchner durch Namibia und Südafrika. Er hat viel gesehen, er kennt seine schwarzen Pappenheimer: A bisserl begriffsstutzig sind s’ halt und manchmal bösartig, wie man an den Stammeskämpfen sieht. Aber sonst sind sie recht friedlich und pflegeleicht.

Nur gut, daß die Aktivisten, sagen wir mal der evangelischen Studentengemeinde zu Göttingen, unseren Ethnologen nicht hören können. Sie würden dann womöglich nicht nur südafrikanische Weine, sondern auch bayerische Biere boykottieren. Aber diese Gefahr ist ziemlich ausgeschlossen, denn ein anständiger Mensch fährt ohnehin nicht zu den Leuteschindern ins Burenland.

Hier die immerzu betroffenen Streiter wider die Apartheid, dort die Reaktionäre mit ihren postkolonialen Träumen, dazwischen ein tiefer ideologischer Graben. Nach Südafrika zu fahren oder aber nicht – das kam einem politischen Bekenntnis gleich.