Wenn man sich den jahrelangen Streit um das Vermummungsverbot in Erinnerung ruft, kann man nur staunen über die Geschwindigkeit, mit der die Bonner Altparteien sich so nebenbei auf eine der massivsten Verfassungsänderungen der Nachkriegszeit verständigen wollen – auf daß sich künftig der Staat selber vermummen kann: als Lauschangreifer. Zur Bekämpfung zunächst nur der organisierten Kriminalität (und von wann an dann auch der unorganisierten?) sollen die Behörden künftig nicht nur – wie schon bisher – das Telephon, sondern gleich die ganze Wohnung von Verdächtigten abhören können.

Wie war es damals im Fall Traube, bei jenem großen Lauschangriff, der am Ende einen Bonner Innenminister stürzen ließ? Der Verdacht gegen Traube steigerte sich in dem Maße, in dem man keine Anhaltspunkte fand – bis man schließlich sein Wochenendhaus anbohrte.

Was lehrt dieser nach wie vor exemplarische Fall? Irgendwann muß der Staat sich vor sich selber und seinen Möglichkeiten schützen. Er muß erkennen, daß es Mittel gibt, die kein Zweck heiligen kann. Oder sollen wir alle potentielle Traubes werden? R. L.