Monatelang ist die Berliner Treuhandanstalt mit der Entscheidung schwanger gegangen, am Dienstag dieser Woche war es dann endlich soweit: Den Zuschlag für die traditionsreichen Defa-Studios in Potsdam-Babelsberg erhält die französische Compagnie Generale des Eaux (CGE).

Gewonnen hat damit der Top-Favorit. In letzter Minute war das Rennen allerdings durch das Gebot des Münchner Werbe- und Industriefilmers Hans-Joachim Berndt unerwartet spannend geworden. Dessen Engagement wurde von mittelständischen Berliner Filmproduzenten gestützt, die bei der CGE abgeblitzt waren.

Verlierer Berndt, der die Sache „sportlich sieht“, hat immerhin eines erreicht: Statt 350 Arbeitsplätzen bleiben – zumindest bis 1996 – alle 780 Defa-Arbeitsplätze erhalten. Das habe der Münchner in seinem Konzept vorgesehen, die CGE mußte notgedrungen mitziehen. Ursprünglich wollte sie nur 350 Defa-Jobs sichern. Dank Berndt kletterte auch der Kaufpreis von weniger als 90 auf immerhin 135 Millionen Mark.

Ob die neuen Besitzer der Defa-Studios in Babelsberg aber wirklich ein „Filmproduktionsstudio europäischen Ranges“ schaffen oder im Erwerb des 400 000 Quadratmeter großen Geländes nicht doch nur in erster Linie ein Immobiliengeschäft sehen, bleibt abzuwarten. Die Ufa Film- und Femseh-GmbH jedenfalls läßt sich, als CGE-Kooperationspartner, das angeblich so lukrative Filmengagement von dem französischen Partner bezahlen. Das Stammkapital für die geplante gemeinsame Filmproduktionsgesellschaft bringt die CGE auf – obwohl beide mit je fünfzig Prozent beteiligt sind. Doch daran mag Ufa-Geschäftsführer Bernd Schiphorst nichts Ungewöhnliches erkennen: „Wir garantieren schließlich für die Belegung durch unsere Fernsehproduktionen.“ Statt eines neuen Filmzentrums wird dann wohl in Babelsberg eher ein neues TV-Studio entstehen. Das aber ist ziemlich absurd: Nur wenige Kilometer entfernt, verfallen in Berlin die alten Fernsehstudios des abgewickelten Deutschen Fernsehfunks, weil niemand sie mehr will.

Große Pläne hegt Bolko Hoffmann mit der Ost-Nachrichtenagentur ADN. Der Düsseldorfer Unternehmer will das ehemalige Sprachrohr der SED mit seinem Deutschen Depeschendienst (ddp) verschmelzen und als ernsthafte Konkurrenz zu Associated Press (AP) und Reuters etablieren: „Wir werden die große Zweitagentur für ganz Deutschland“, tönte Hoffmann selbstbewußt, nachdem ihm die Treuhandanstalt den Zuschlag für ADN erteilt hatte. In der Branche stoßen die vollmundigen Ankündigungen eher auf Skepsis. Schließlich ist es Hoffmann bislang nicht gelungen, mit ddp im Westen einen Fuß auf den Boden zu kriegen. Im Osten versorgt ADN die Medien zwar flächendeckend mit Nachrichten. Die Agentur macht aber nach wie vor hohe Verluste. Hoffmann, der auch den Effecten-Spiegel verlegt, will daher erst einmal massiv Personal abbauen. Etwa 130 der noch 200 ADN-Beschäftigten erhalten demnächst den blauen Brief. Schon in diesem Jahr soll die Deutsche Depeschendienst ADN GmbH schwarze Zahlen schreiben. Frei nach der Zauberformel: Zwei kränkelnde ergeben ein gesundes Unternehmen.

Fast drei Monate dauerten die Verhandlungen zwischen dem größten Immobilienkonzern der Welt und seinen Banken. Ende der vergangenen Woche meldete das mit 18,5 Milliarden Dollar verschuldete Familienkonglomerat Olympia & York für den kanadischen Teil seines Imperiums den Bankrott an, stellte 29 Firmen unter die Aufsicht eines Bankrottrichters und entzog sie so dem Zugriff seiner Kreditgeber. Der Schock, den diese Aktion des von den drei Brüdern Reichman geführten Unternehmens in der internationalen Bankenwelt auslöste, hielt sich in Grenzen. Vor allem die Gläubiger außerhalb Kanadas, unter ihnen die Commerzbank, haben schon längst Vorsorge für den Fall getroffen, daß der Konzern aus Toronto untergeht, was nach wie vor als wenig wahrscheinlich gilt.

Den Reichmans fehlt es an Geld, um all jene Schulden zurückzuzahlen, die Olympia & York aufnahm, um weltweit Immobilien zu kaufen. Die Bankrotterklärung in Kanada werde „keine signifikanten Auswirkungen“ auf Olympia & Yorks Immobilienfirmen in den USA oder Großbritannien haben, erklärte der erst vor wenigen Wochen neu bestellte Konzernpräsident Gerald Greenwald. Vielleicht ist Greenwald damit zu optimistisch. Die Umschuldungsverhandlungen sind schon jetzt die größten und komplexesten in der Finanzgeschichte. Sie finden inmitten der weltweit tiefsten Immobilienflaute seit Jahrzehnten statt.