Von Petra Haffter

Dein Plan kommt mir so ungewöhnlich vor“, hatte Hanae, Inspektor Otanis Frau, gesagt, als sie ihm zweifelnd in ein Liebeshotel folgte. Doch besonnen, wie der Inspektor aus Kobe nun einmal ist, hatte er um sich geblickt und auf ein paar Gebäude gewiesen. „Das ,Imperial‘ und das ‚Fantasia‘ sind gleich um die Ecke. In Kobe gibt es mindestens fünfzig solcher Liebeshotels.“

Im ‚Fantasia Lovehotel‘ finde ich zwar noch das sich drehende Bett, auf dem die Leiche von Cleo Ventura gelegen hatte, und die verspiegelte Zimmerdecke, die die Tote vervielfacht hatte. Doch im Saum des Vorhangs fühle ich keine Verdickung, finde ich keinen Talisman. Kein Wunder, den hatte Hanae ja auch schon an sich genommen, an jenem Tag, als sie das Zimmer betrat.

Normalerweise schlendert das Paar Otani nicht in diesen Rotlichtbezirken. Als eher konservative Vertreter ihres Landes teilen sie sich die Arbeit klassisch: Der Inspektor geht ins Büro und Hanae einkaufen, um ihrem Gatten ein Mahl zu bereiten: Sushi vielleicht, mit einem Krug warmem Sake oder ein paar Yakitoris, Hühnchenspieße.

Wie Inspektor Otani habe auch ich mich etwas in die hügeligen Ausläufer des Rokko-Gebirges zurückgezogen. In ein ryokan, ein Gasthaus, mit einem wunderschön angelegten Garten und einem Badehaus. Die knorrig gezüchteten Kiefern mit ihren bubikopfartigen Häubchen überspannt ein Brückenbogen. Kleine Teiche symbolisieren Meere, Erdbuckel Berge. Noch ungeübt in der japanischen Betrachtungsweise, gelingt es mir nicht ganz, ein Hochhaus auszublenden, das den freien Blick auf die Berge versperrt.

Mein erster Tagesspaziergang in Kobe. Ich streife durch das Labyrinth unterirdischer und oberirdischer Straßen, steige Treppen hinauf und hinunter und erlebe den harten Wechsel von Sonnenlicht und Dunkelheit. Vorbei an Stoffballen, Knopfgeschäften, Golfausrüstungen, Billigschmuck und Samthaarschleifen.

Statt einer Speisekarte stellen die edleren Restaurants Plastikmodelle ihrer Gerichte in die Vitrinen. In den Garküchen unterhalb der Eisenbahnbrücken schlürfen die kleinen Händler und Lieferanten Nudelsuppe. Ein sättigendes Gericht, das nur hundert Yen kostet, ebensoviel wie Hanae für eine einzige Tasse Tee unter den Arkaden der luxuriösen Shoppingcenter bezahlt.