Strenggenommen gibt es nur zwei Arten von Menschen: Gastgeber und Nichtgastgeber. Die einen gehören zur Come-together-Generation, die anderen zur Sorte der Eigenbrötler. Jedenfalls: Diejenigen der ersten Gruppe leiden. Sehr sogar.

Kaum klingelt’s an der Haustür, bricht ihnen der Schweiß aus, man kommt schließlich nicht als Gabriele Henkel zur Welt. Die Weingläser werden plötzlich als frühere Behältnisse von Senf erkannt, die Bestecke als purer Stilmischmasch ... Zudem befindet sich im Kühlschrank alles, nur nichts, was angeboten werden kann. Das schmerzt.

Mit der Bratkartoffelkultur darf es nun ein Ende haben, Hilfe naht. „Eine festliche Tafel zu arrangieren, Gläser und Bestecke zu plazieren, Speisenfolgen zu komponieren, zu wissen, welche Weine gereicht werden, und auch in schwierigen protokollarischen Fragen sicher zu sein – diese Kunst“, endlich, vermittelt ein Seminar, das demnächst in einem Hamburger Hotel stattfindet.

Die Seriosität des Unternehmens ist verbürgt, schließlich ist das weltberühmte Institut für europäische Tafelkultur mit von der Partie. Außerdem kostet das Trainingslager 800 Mark plus Übernachtung, ein Preis, bei dem die Sache ernst wird.

Und wer würde sich lustig machen über die Pannen und Unpäßlichkeiten, in die hineinzuschlittern uns Gastgebern ebenso sicher gelingt wie ein Spiegelei in der Teflonpfanne zu braten? Niemals wieder von links (oder war’s rechts?) Rotwein einschenken, immer den richtigen kleinen Löffel für das Dessert auswählen; keine quälenden Gesprächspausen mehr bei Tische, kein betretenes Schweigen, wenn versehentlich „Sauerkraut“ gesagt wird. Wissen wir doch: Es heißt choucroute. Anders gesagt: Das Seminar wird die letzten Dinge des Lebens berühren.

Zur Beruhigung sei soviel verraten: Es wird nicht allein ein Trainingslager der Inspiration und des Feingefühls. High-Tech hilft auch hier: „Checklisten“ und „Netzpläne“ sind uns Lehrlingen später ebenso vertraut, wie uns die Wahl einer ansprechenden Tischdekoration nicht schwerfällt.

Wir? Heißt das Seminar nicht „Die perfekte Gastgeberin“? Ja doch, teilnehmen dürfen auch Männer, versichert die Pressestelle des Unternehmens, etwas beschämt vielleicht darüber, die letzte Domäne der Frauen auch der anderen Hälfte des Gastgeberhimmels zu öffnen. Allerdings rechne man nicht mit deren Interesse.