Ursprünglich hatten wir den Ort nur angesteuert, um das Museum zu besuchen. Es war aber geschlossen. Und was sollten wir sonst in Tegea? Also würden wir nach der Mittagspause unser Glück erneut versuchen, um abends nach Sparta weiterzureisen.

Auf der Suche nach einer gastlichen Stelle gerieten wir unter die Platanen auf dem Platz vor „Joannis’ Kafeneion“. Eine Oase. Sie warf alle unsere Pläne für diesen Tag über den Haufen.

Schon die Erscheinung des Wirts beeindruckte uns: zierliche Gestalt, schlohweißes, volles Haar. Ein Bein zog er nach, aber das machte ihn nicht schwerfällig. Im Gegenteil, wir nahmen seine leise Würde wahr.

Joannis trug jedem einzelnen Ankömmling einen Stuhl hinaus unter die Platanen. So war er es, der über die Aufnahme eines Gastes entschied, nicht der Gast, indem der sich etwa ungefragt irgendwo hinsetzte.

Staunend verfolgten wir das Ritual. Es galt ohne Ausnahme: Joannis bemühte sich sowohl für den zufälligen Einkehrer als auch für seinen Straßennachbarn. Wie mochte sich ein solches stillschweigendes Übereinkommen entwickelt haben, zumal dem Wirt das Gehen nicht sonderlich leicht fiel? Hatte Joannis diese Ordnung ins Leben gerufen, die noch aus dem letzten hergelaufenen Zufallsgast einen Geladenen machte und aus dem Wirt einen Hausherrn, der zu Tisch bittet und den Gast durch seine Bemühung ehrt?

Joannis’ Gesten und Worte waren sparsam, aber allesamt wirkungsvoll gesetzt. Er war unaufdringlich aufmerksam. Wir fühlten uns umsorgt auf unseren schmalrippigen Stühlchen.

Später stellte sich heraus, daß das Museum heute ganz geschlossen bleiben würde. Wir baten um neuen Kaffee. Noch später stellte sich heraus, daß der Ort einen herkömmlichen Schlafplatz gleichfalls nicht bieten würde.