Von Gunhild Freese

Die Schlagzeilen reißen nicht ab: In der vergangenen Woche mußte das Bundeskartellamt eine Fusion im Lebensmittelhandel hinnehmen, die ihresgleichen sucht. Tengelmann darf von der Saarbrücker Asko 176 Lebensmittelfilialen im Rhein-Main-Gebiet übernehmen; der Mülheimer Konzern erwirbt damit auf Anhieb fünfzehn Prozent Marktanteil in der Region.

Derzeit schwappt eine Fusionswelle übers Land, wie es sie schon lange nicht mehr gegeben hat. Augenfälligstes Kennzeichen: Die Großen werden immer größer. Bereits im vergangenen Jahr beherrschten die zehn größten Handelskonzerne 63 Prozent des Marktes. Bis 1978 hatten die zehn führenden Unternehmen gerade erst dreißig Prozent Marktanteil erreicht. Tengelmann ist nur der jüngste Fall in einer ganzen Reihe von spektakulären Zusammenschlüssen im heimischen Handel.

In der Woche zuvor beteiligte sich die Kleinpreiskette Woolworth (Umsatz in der Bundesrepublik: 2,9 Milliarden Mark) über eine von der Deutschen Bank dominierte Finanzholding am viertgrößten deutschen Warenhausunternehmen, der Düsseldorfer Horten AG.

Nicht einmal sechs Monate ist es her, daß ein anderer Wettbewerber bei Horten einstieg: der Kölner Kaufhof, Nummer zwei unter den Warenhäusern. Und wieder spielte eine Bank den Kuppler für die unschöne Liaison: Die Düsseldorf WestLB, die die Mehrheit bei Horten hält, trat dem Kaufhof fünfzehn Prozent ab – mit einer Option auf weitere 9,9 Prozent.

Der Kaufhof freilich wird längst dominiert vom Großhandelsgiganten Metro. Und auch dieser selbst hat jüngst seinen Einfluß weiter kräftig ausgedehnt. Gemeinsam mit der ihr traditionell freundlich gesonnenen WestLB und anderen Aktionären hat die Metro im April die Asko unter ihre Kontrolle genommen – fünfzig Prozent des Asko-Kapitals jedenfalls könnte die Metro beeinflussen. Sie selbst hält offiziell zehn Prozent. Schon Ende dieser Woche soll über die Beteiligungverhältnisse des Saarbrücker Handelskonzerns Genaueres bekanntgegeben werden. Offenbart sich die Metro als neuer Großaktionär, so entstünde ein Handelskoloß von annähernd 56 Milliarden Mark.

Und gerade erst im Februar hatte auch die Asko ein neues Opfer im Fusionsfieber gefunden: die Bielefelder Lebensmittelkette AVA, die einst – wie die Asko auch – eine Konsumgenossenschaft war. Fünfzig Prozent hält die Asko an der AVA, ist aber laut Satzung auf ein Promille der Stimmrechte beschränkt. Die AVA möchte selbständig bleiben. Diese Selbständigkeit soll und will wiederum ein anderes Großunternehmen des Handels sichern – die Hamburger Genossenschaft Edeka, die mit 35 Prozent an der AVA beteiligt ist.