Verlorene Mühe

Vielleicht läßt sich eine entwickelte Kulturgeschichte wie die unsere vor allem dadurch charakterisieren, daß der Stapel einer bestimmten Sorte Bücher schier ins Unendliche wächst – und zwar jener Werke, von denen man bis zu ihrem Erscheinen nicht einmal vage ahnte, daß sie einem noch gefehlt haben. Im Fischer-Taschenbuch-Verlag ist jetzt der „Lesben-Knigge“ erschienen: ein Leitfaden für gutes Benehmen in zwischenfraulichen Beziehungen. Die amerikanische Autorin Celeste West möchte damit Tips für alle Lagen geben. Das Versprechen ist groß, um so dünner das Buch.

Unter dem Motto „Unterhaltsames Vorspiel“ empfiehlt die Autorin für die alles entscheidende erste Begegnung die tiefsinnige Erkundung: Wie geht es Ihnen? In der Abteilung „Liebe als Wahnsinn“ werden wir darüber informiert, daß manche Frauen einander nicht riechen können. Weshalb es sich empfehle, nur dann romantisch zu werden, wenn der „Duft“ stimmt. Im übrigen sind nicht weniger als 25 einschlägige Regeln zu beachten, unter anderem diese: Wechsle nie dein Parfüm! Sei nicht geheimnisvoll! Sei nicht dramatisch! Beklage dich über nichts!

Tu dies nicht, tu das nicht. Und wir dachten schon, die Liebe zwischen Frauen sei irgendwie anders als das krause Zeug, das Mann und Frau im Kopf haben, wenn sie entsprechenden Gedanken nachhängen. Wie sprach schon der alte Freiherr von Knigge weise? „Den Verliebten selbst Regeln über den Umgang miteinander zu geben, das würde verlorene Mühe sein.“

Liebesgrüße nach Moskau

In den Staaten der GUS, so lauten die Schätzungen, sterben jährlich etwa 1500 Frauen an den Folgen einer unsachgemäßen Abtreibung. Die medizinische Versorgung ist schlecht. Verhütungsmittel sind Mangelware: Es gibt kaum Kondome; Pille und Spirale sind nur auf dem Schwarzmarkt erhältlich. Nicht wenige Frauen haben bereits sechs oder mehr Schwangerschaftsabbrüche hinter sich.

Der Verein „trau Dich!“ und die grünen Jugendverbände in Schleswig-Holstein, Hessen und Baden-Württemberg rufen deshalb jetzt zu einer bundesweiten Spendenaktion auf. Von den eingenommenen Geldern sollen Kondome gekauft und der Aufbau von Sexualberatungsstellen unterstützt werden. Spenden an: „trau Dich!“ Kennwort: „Liebesgrüße nach Moskau“, Sparkasse Kiel, BLZ 210 501 70, Konto 90013913.