Gersthof, am frühen Vormittag. Ein langer Gartenzaun, dahinter Flieder. Durchs Maschengitter da und dort ein Zweig, eine Dolde. Durch die aufbrechende Wolkendecke Sonnenstrahlen. Und in der Luft süßer, süßester Duft.

Am Ende der Straße plötzlich ein Mann. Weite schwarze Hose, weiter langer Mantel. Schwere Aktentasche, gesenkter Kopf. Die Müdigkeit unzähliger Arbeitstage in den Beinen, in den Armen, in den herabhängenden Schultern.

Der Mann kommt näher, bleibt plötzlich stehen. Er hebt den Kopf – wie ein Hund, der Witterung aufnimmt: der süße, süßeste Duft in der Luft hat auch von ihm Besitz ergriffen. Er lächelt.

Es ist der Burgtheaterdirektor, Claus Peymann.

Lang steht er da und lächelt vor sich hin. Er bricht einen Fliederzweig ab und führt ihn ans Gesicht.

Aus Peymanns Lächeln wird Glückseligkeit. Er holt drei-, viermal tief Atem, dann setzt er seinen Weg fort, um Jahre jünger.

Das ist Claus Peymann? Der Schrecken des Ensembles? Der Beschimpfer von Ministern? Der Verächter Österreichs? Der Provokateur des Publikums, der Demontierer des Burgtheaters und seiner Tradition, wiewohl zu dessen Hüter bestellt?