Eine feine Nase

Wer kennt Gerry Malone, Tim Smith oder Andrew Mitchell? Keiner? – Ist nicht so schlimm, denn auch den meisten politisch interessierten Briten dürften diese drei aufstrebenden konservativen Unterhausabgeordneten kein Begriff sein. Aber es könnte sich lohnen, ihre Karrieren zu verfolgen. Sir Norman Fowler, der eben gekürte neue Vorsitzende der Tories, hat sie nämlich in seinen engsten Stab berufen. Fowler gilt als Talentsucher. Immerhin entdeckte er vor Jahren schon Jungpolitiker wie Kenneth Clarke (heute Innenminister) und Chris Patten (künftiger Gouverneur von Hongkong). Und da war noch einer, der ihm auffiel, ein gewisser John Major. Was mag aus ihm geworden sein?

Guter Hoffnung

Was hat die Stadionsicherheit mit der Wasserqualität gemein? Nichts, außer daß diese Themen gerade in der französischen Regierung diskutiert werden. Sehr viel, blickt man genauer auf die Autorinnen der französischen Regierungsvorlagen. Denn die Ministerinnen Ségolène Royal (Umwelt) und Frédérique Bredin (Sport) sind guter Hoffnung, daß ihre Babys noch vor Inkrafttreten ihrer Gesetze das Licht der Welt erblicken. Frankreichs Kommentatoren, die sonst tiefernst über den Winkelzügen der Mächtigen grübeln, lehnen sich bewundernd zurück. Die beiden Politikerinnen entwickeln eine Energie, wie sie Mediziner mitunter bei Frauen kurz vor der Niederkunft feststellen. Ihr Eifer mag freilich natürliche und politische Ursachen haben. Sehr zum Ärger des Sozialministers – männlich – scheren sich Madame Royal und Madame Bredin nicht um den gesetzlichen Schwangerschafts- und Mutterschaftsurlaub. Denn aus ihm könnten sie erst zurückkehren, wenn die elfmonatige Lebenszeit der Regierung Pierre Bérégovoy sich schon ihrem Ende zuneigt.

Ohne Uniform

Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wird Südkorea im Herbst einen Präsidenten wählen, der keine Militäruniform trägt. Nach der Opposition hat nun auch die Regierungspartei einen Zivilisten für das höchste Amt im Staat nominiert: den früheren Dissidenten Kim Young Sam. Dies ist ein gutes Zeichen für den Übergang zur Demokratie und ein Verdienst des amtierenden Präsidenten Roh Tae Woo. Aber noch immer sitzen in Südkorea Menschen wegen ihrer Überzeugungen im Gefängnis. Einer der prominentesten politischen Häftlinge ist der 44jährige Kim Kun Tae. Schon in den Zeiten der offenen Diktatur war Kim mehrfach verhaftet und gefoltert worden. Er wurde 1990 verurteilt, nachdem er auf Demonstrationen politische und soziale Reformen gefordert hatte. Sogar Gerichtsdokumente beweisen, daß er nur zu gewaltlosem Protest aufrief. Solange Menschen wie Kim in Haft bleiben, ist Südkorea kein demokratischer Staat. Präsident Roh Tae Woo bleiben noch fünf Monate, um dies zu ändern. Warum schenkt er Kim Kun Tae nicht die Freiheit?