Im walisischen Ebbw Vale gingen einst 14 000 Leute ihrer Beschäftigung nach. Hier stand einmal ein integriertes Stahlwerk, komplett mit Hochöfen und Walzstraßen. Über fünf Zechen drehten sich die Räder in den Fördertürmen, ließen die Kumpel in die Tiefe und brachten die Kohle aus dem Bauch der Erde herauf. Doch von dem riesigen Stahlwerk ist gerade noch eine Verzinkungsanlage übriggeblieben, in der etwa tausend Leute arbeiten. Die Zechen sind geschlossen.

Aber Ebbw Vale hat nicht aufgegeben. Das Tal in Südwales, das wirtschaftlich einmal völlig von Kohle und Stahl abhängig war, schüttelt sein altes Image von der harten und gefährlichen Arbeit in der Schwerindustrie ab. Es führt das entbehrungsreiche Leben seiner Menschen nur noch im Museum vor und strebt nach neuem Ansehen mit modernen rauchlosen Gewerbebetrieben in grüner Umgebung mit Freizeitwert, Spaß und Unterhaltung.

Neues Leben blüht in den Ruinen

Als Beweis dafür dient – neues Leben blüht aus den Ruinen – die Gartenschau auf dem Gelände des ehemaligen Stahlwerkes. Nach dem Ende der Veranstaltung im Oktober soll dort eine Ansiedlung mit Wohnhäusern, Bürogebäuden, Gewerbegebieten und kommunalen Einrichtungen entstehen. So soll aus der Not heraus – ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Tales eingeleitet werden, in dem die Arbeitslosenquote noch zwanzig Prozent beträgt. Der Vergleich mit den heruntergekommenen Industriegebieten der ehemaligen DDR drängt sich auf.

Ebbw Vale ist der Ort der fünften und letzten Gartenschau, seit Liverpool 1984 den Anfang machte. 1987 wurde mit der Gestaltung der Landschaft begonnen. Das allein war eine langwierige und aufwendige Arbeit. Denn die mächtigen Schutt- und Abraumhalden mußten bewegt werden, um das Gelände zugänglich und die Gegend ansehnlich zu machen.

In dem engen Tal gewann man 57 langgestreckte Hektar Raum, die zu gestalten waren: mit Gärten, Buden, Restaurants, einem Wasserfall, der über einen Schlackenberg ins Tal stürzt, mit Zeugnissen der industriellen Vergangenheit und der Geschichte von Wales, mit einem See und einem Tropenhaus. Selbst ein alter Bauernhof am Bergeshang, der die industrielle Revolution überlebt hat, ist als Beispiel für traditionelle Landwirtschaft in das Gelände einbezogen, in dem 700 000 Bäume und Sträucher gepflanzt wurden.

Rund 180 Millionen Mark hat das alles gekostet, bis das „Garden Festival Wales“ eröffnet werden konnte. Davon wurden immerhin 36 Millionen Mark durch Spenden der Industrie aufgebracht. Dafür dürfen die Unternehmen für ihre Erzeugnisse und Dienste werben. Hoover erzählt alles über das reinliche Leben mit Hilfe von Staubsauger und Waschmaschine. McDonald betreibt in zentraler Lage eine Frikadellen-Gaststätte.