Gabriele Schnaut gilt als neuer Stern am Opernhimmel. In Barcelona sang sie die Venus im vorolympischen „Tannhäuser“Eine Stimme auf dem Olymp

von Bernhard Wördehoff

Von Bernhard Wördehoff

Was ein „hochdramatischer Sopran“ ist, wird im „Handbuch der Oper“ von Rudolf Kloiber so beschrieben: „Großes, schweres und ausladendes Organ mit gut entwickelten mittleren und tiefen Registern.“

Den hochdramatischen Sopran fordern die Musikdramen eines Richard Wagner und eines Richard Strauss. Das Stimmfach mit dem, laut „Kloiber“, Umfang von g bis zum dreigestrichenen c hat nicht nur dadurch exklusiven Rang; es ist, da selten eine Bühnenlaufbahn in diesem Fach beginnt, in der Regel der Höhepunkt einer Entwicklung. Verläuft sie optimal, dann ist der internationale Sängerhimmel um einen neuen Stern reicher.

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Ein solcher trägt nun den Namen Gabriele Schnaut. Bis vor zwei, drei Jahren galt die Sängerin noch als Geheimtip bei jenen, die sie während ihrer achtjährigen Mitgliedschaft im Ensemble des Mannheimer Nationaltheaters, als Gast auf anderen Bühnen oder in Bayreuth erlebt hatten. Seit einem Jahr ist sie an kein Haus mehr fest gebunden. Der Sprung ins freiberufliche Dasein scheint geglückt.

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte: Aus aktuellem Anlaß hatte Gabriele Schnaut das Vergnügen einer gewissermaßen olympischen Berufung ins deutsche Aufgebot für Barcelona: Mit der Hamburgischen Staatsoper und deren musikalischem Chef Gerd Albrecht gab sie im Juni ein Gastspiel in der katalanischen Hauptstadt, wo sie als Venus in Richard Wagners „Tannhäuser“ und mit der Waldvogel-Partie in Arnold Schönbergs Gurre-Liedern dem olympischen Gedanken musikalisch auf die Sprünge half – oder wie immer man diesen eindrucksvollen deutschen Beitrag im kulturellen Vorprogramm zu den Olympischen Spielen sportlich werten mag.

In der Pariser Opera de la Bastille hatte Gabriele Schnaut zuvor ihr Frankreich-Debüt in der Titelrolle der „Elektra“ von Richard Strauss. Im September wird sie in Taormina singen, wo Maestro Sinopoli dirigiert, ein Vorgeschmack auf ihre erste „Elektra“ an der Mailänder Scala 1994. Dann die Brünnhilde in Wagners „Ring des Nibelungen“ (in der Hamburger Neuinszenierung und in Wien) und, wie schon in Tokio, San Francisco und Wien unlängst, hier und da die Isolde in Wagners „Tristan“.

„Die Elektra und die Brünnhilde werden mich in den beiden kommenden Jahren hauptsächlich beschäftigen“, sagt sie. Sie sieht die beiden Rollen vielfältig miteinander verwandt: „Das Schicksal beider Frauen ist gleichermaßen geprägt von der besonderen Vaterbindung.“

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