EBENHAUSEN – Gegenwärtig scheint es kaum ein Unglück zu geben, von dem Afrika verschont bleibt. Wirtschaftlich am Abgrund und von der Welt mehr und mehr vergessen, kämpfen weite Teile des Kontinents mit einer Dürre unvorstellbaren Ausmaßes. Millionen von Menschen sind Tom Hungertod bedroht. Tiere sterben massenweise.

Die Dürre trifft die Länder des südlichen Afrika besonders hart. In Mosambik ist die Lage katastrophal. Der Bürgerkrieg, angezettelt durch das Apartheidregime in Südafrika, hat die Landwirtschaft in weiten Teilen des Landes zerstört. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind allein in Mosambik drei bis vier Millionen Menschen vom Hungertod bedroht.

Nahrungsmittelhilfe in großem Umfang ist also dringend notwendig. Die Vereinten Nationen und die EG haben Hunderttausende Tonnen von Lebensmitteln versprochen. In Genf soll eine internationale Geber-Konferenz stattfinden, um weitere Ressourcen zu mobilisieren. Die Hilfsmaschinerie läuft auf vollen Touren. Jedoch verschließen die Helfer vor der Gefahr die Augen, durch unbedachte Nahrungsmittelhilfe mehr Unheil anzurichten als zu verhüten.

In Ländern wie Mosambik, die von Krieg und Gewalt beherrscht werden, kann sich Nahrungsmittelhilfe schnell in ihr Gegenteil verkehren: Anstatt den Hunger zu beenden, verlängert sie den Krieg. Nicht die Bevölkerung, sondern in erster Linie die kriegführenden Parteien profitieren von der Hilfe – sei es durch Korruption im Staatsapparat und in der Armee, sei es, weil die gegen die Regierung kämpfenden Renamo-Rebellen die Nahrungsmittel mit Waffengewalt unter ihre Kontrolle bringen, sobald sie die wenigen sicheren Städte verlassen haben. Nicht nur die Renamo und diejenigen Einheiten der Frelimo-Armee, die außer Kontrolle geraten sind, sondern auch lokale warlords und bewaffnete Banditen drangsalieren die Bevölkerung. Dieses Regime der Gewalt – und nicht die guten Absichten der Geber – werden über das Schicksal der Nahrungsmittelhilfe entscheiden.

Die Friedensverhandlungen in Rom zwischen der Regierung und den Rebellen ziehen sich hin. Hoffnungen einiger Diplomaten, daß der Durchbruch zu einem Waffenstillstand in wenigen Monaten erfolgen wird, dürften sich kaum erfüllen. Diese Monate sind für die Dürreopfer eine halbe Ewigkeit.

Hilfe kann nur gelingen, wenn sie diesen Gefahren Rechnung trägt. Erstens müssen, ähnlich wie in Somalia, die Sicherheitsprobleme vor den Verteilungsaktionen gelöst werden. Diese Aufgabe können nur leicht bewaffnete Truppen unter der Oberhoheit der Vereinten Nationen bewältigen. Das britische Commonwealth, das über viel Erfahrung im Umgang mit Konflikten im südlichen Afrika verfügt, könnte diese Truppen stellen. Sie würden gemeinsam mit den Hilfsorganisationen die Lebensmittelverteilung überwachen und absichern.