Bank und Börse

Kaum zwei Jahre ist es her, daß die Banken die Optionsscheine als nahezu sichere Geldquelle entdeckten: Ausgegeben wurden Scheine auf Aktien, Indizes, Devisen oder Zinsen. Doch für Anleger sah das Spielchen meist düster aus: Gewinner war in aller Regel allein der Emittent, selten verdiente der Investor.

Nachdem das Geschäft mit den Optionsscheinen inzwischen abgeflaut ist, suchen die Institute nach anderen Möglichkeiten der Geldaufnahme. Mit Erfolg: Rentenwerte führen angesichts der immer noch hohen Kapitalmarktzinsen die Beliebtheitsskala unter den Investitionsmöglichkeiten an. Mit neuen Kreationen können mithin auch neue Kunden geworben werden. Die Konstruktionen sind auch weitaus solider als die Optionsscheine, in den meisten Fällen bleibt selbst bei ungünstiger Marktentwicklung zumindest das eingesetzte Kapital erhalten.

Als besonders pfiffige Lösung hat die Metallbank für die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) eine Anleihe aufgelegt, die alle bisherigen Rekorde schlägt: Hinter der lapidaren Bezeichnung „acht Prozent Inhaberschuldverschreibung von 1992/2012“ verbirgt sich ein Stripping Bond nach amerikanischem Vorbild, der kaum noch Anlegerwünsche offenlassen sollte. Strahlende Gesichter denn auch bei den Managern der Metallbank: Das Emissionsvolumen konnte innerhalb weniger Tage von 200 auf 300 Millionen Mark erhöht werden.

Die Konstruktion ist denkbar einfach: Die Anleihe läuft insgesamt zwanzig Jahre und bringt jährlich acht Prozent Zins. Ausgegeben wurde sie zum Kurs von 101,25 Prozent, was einer Rendite von 7,87 Prozent entspricht. Gehandelt wird sie in Stücken zu 10 000 Mark. Doch nun die Besonderheit: Im Gegensatz zu einem klassischen Rentenwert können die Zinskupons von der Anleihe getrennt und einzeln verkauft werden.

Der Investor kann auf diese Weise unter vier verschiedenen Anleihevarianten mit insgesamt 23 verschiedenen Börsennotierungen wählen. Standard ist zunächst einmal die „Inhaberverschuldung cum“, die Anleihe mit allen Zinsscheinen. Hierbei handelt es sich um einen klassischen Rentenwert mit zwanzig Jahren Laufzeit und acht Prozent Nominal Verzinsung, die Zinsen – 800 Mark für eine Anleihe im Nominalwert von 10 000 Mark – werden jährlich am 1. Juni ausgezahlt. Je nach Börsenkurs ist dann die Rendite ähnlich hoch wie bei vergleichbaren Staatsanleihen.

Der Anleger kann nun jederzeit die Zinsscheine von der Anleihe trennen und sie an der Börse verkaufen – und das wahlweise einzeln oder im Paket. Der Kurs für diese Zinsscheine richtet sich dabei nach dem Zeitraum bis zur Fälligkeit: Kupons mit der Laufzeit bis zum Juni 1993 kosteten im Sommer zum Beispiel 736 Mark, für Kupons mit einer Laufzeit bis zum Jahr 2003 werden 341 Mark bezahlt, und die Kupons mit zwanzig Jahren Laufzeit waren immerhin noch 168 Mark wert. Verkaufte der Anleger alle Zinsscheine zusammen im Paket, bekam er dafür 7700 Mark gutgeschrieben. Die Folge: Er besitzt dann nur noch die „Inhaberschuldverschreibung ex“, also eine Anleihe ohne laufende Zinszahlung. Entsprechend niedrig ist der Kurs: Für sein 10 000-Mark-Stück hat der Anleger bereits 7700 Mark bekommen, das zum Zerobonds degradierte Papier ist nur noch 2300 Mark wert.