Nicht unnötig auffallen, möglichst immer ganz nach Vorschrift handeln, nur dazugehören, Schutzmann sein; soll man doch höchstens „Herr Wachtmeister“ zu ihm sagen. In Parkanlagen und auf Friedhöfen hat er Handtaschenräuber gestellt, bei Schießereien haarscharf zurück- und vorbeigeschossen, blutige Karambolagen im Straßenverkehr mit Bombeneinschlägen verglichen und Nutten so wenig beachtet, daß sie neugierig wurden. Ob im Einsatzwagen oder beim Streifendienst, er ist Sportsmann genug, um aus dem Stand den „Zentimeter-Helden“ zu machen: seinen Augen entgehen selbst die geringsten Kleinigkeiten nicht. Drogenleichen und Selbstmörder legt er bequemer hin, bis die Kripo kommt.

Sondereinsätze mit Brust-, Knie-, Kopf- und Schildschutz, das ist für ihn manchmal wie Krieg auf Probe. Soldaten gegen Soldaten ist regelrechter Krieg, doch schwer bestückte, fanatisierte Randalierer lassen keine Heimtücke und Gewalt aus. Eine gezielte Leuchtkugel traf seine rechte Schulter. Es kam zu Verbrennungen dritten Grades. Im Krankenhaus besuchte ihn der stellvertretende Polizeipräsident. Der mußte hören, daß sich das Randale-Opfer nicht schwer verletzt, sondern verwundet fühlte, weil es eben plötzlich wie im Krieg war. Und wäre er tödlich verwundet worden, hätte man ihn als Gefallenen bezeichnen müssen.

Auch Straßenschlachten können zu Schlachten werden, und in seiner Verwandtschaft gäbe es in den zwei Weltkriegen genau fünf Gefallene und vierzehn Verwundete. Er liest alles, was ihm über Kriege und Verbrechen seit 1914 in die Hände kommt. Der Vertreter des Polizeipräsidenten hat seine Beförderung veranlaßt, und der behandelnde Arzt empfiehlt seinem Patienten, er solle mit sich selbst allmählich ziviler umgehen.