Bei der Flick-Affäre in den achtziger Jahren ging es im engeren Sinne darum, ob sich der Konzern durch üppige Spenden Steuervorteile erkauft habe. Im weiteren Sinne aber ging es um die Bestechlichkeit von Parteien und Politikern. In der Debatte am 13. März 1986 richtete der SPD-Abgeordnete Peter Struck zwar heftige Angriffe auf die CDU/CSU und FDP, schlug sich aber auch selbst gegen die Brust. Hier Auszüge aus seiner Rede:

Die Flick-Affäre und der Flick-Untersuchungsausschuß waren für uns Politiker schmerzhaft. Betroffen sind wir nämlich alle, die Abgeordneten des Deutschen Bundestages ebenso wie die Parteien CDU, CSU, FDP und SPD. Versuche, die Flick-Affäre an einer Partei festzumachen, sind lächerlich. Wer das tut, wie die Kollegen von CDU/CSU und FDP, wie der Kollege Hüsch eben wieder, bestätigt das Vorurteil vieler Menschen, die Politiker für unfähig zur Selbstkritik halten. Daß immer nur der politische Gegner der Schuldige sein soll, glaubt niemand. Auf dem Prüfstand waren wir alle. Die Bundesrepublik Deutschland ist gewiß keine Bananenrepublik. Aber die politische Kultur hat Schaden erlitten, und unsere Weste hat Flecken und muß gereinigt werden, und zwar von uns selbst. Daß wir keine Bananenrepublik sind, verdanken wir nur in zweiter Linie eigener politischer Leistung. Zuallererst ist Steuerfahndern, Staatsanwälten und der Presse das Verdienst zuzurechnen, ohne Ansehen von Personen die Wahrheit aufgedeckt zu haben.

Wir haben keinen Grund, anklagend nur auf die Spender zu zeigen. Ebenso zu verurteilen ist das Verhalten vieler Politiker, die Spender geradezu ermuntert haben, krumme Wege zu gehen, sie mit immer maßloseren Forderungen nach Geldspenden bedrängten, die unersättlich waren. Die Wahrheit ist, daß die Parteien damals ohne Ausnahme auf dem Standpunkt gestanden haben: Was für die Parteien gut ist, kann für den Staat nicht schlecht sein. Wenn wir nicht die Kraft aufbringen, das zuzugeben, wenn wir im Gegenteil versuchen sollten, zu verniedlichen, zu verharmlosen oder einseitige Schuldzuweisungen vorzunehmen, werden wir unserem Auftrag nicht gerecht.

Schäden für die politische Kultur haben nicht nur die Schatzmeister von CDU, CSU, FDP und SPD angerichtet, viel schlimmer sind jene Politiker zu bewerten, die sich in besondere Nähe zum Flick-Konzern, aber auch zu anderen Unternehmen begeben haben.

Mir kommt es jetzt darauf an, zu den Konsequenzen zu sprechen. Erstens: Jeder Abgeordnete sollte strikt die Annahme von Spenden verweigern. Spenden sollten nur direkt an Parteiorganisationen gegeben werden. Zweitens: Die Vorschläge zur Änderung des Abgeordnetengesetzes sollten schnellstmöglich hier im Plenum beraten und verabschiedet werden. Dabei ist es meine persönliche Meinung, daß wir tatsächlich den Abgeordneten mit den gläsernen Taschen haben müssen. Jeder Wähler soll sehen können, wieviel sein Abgeordneter verdient und wer ihn gegebenenfalls noch honoriert. Drittens: Die Parteien dürfen sich nicht für den Staat halten. Sie sollen wie viele andere dem Staat dienen. Die Grundsätze politischer Kultur und politischer Moral müssen Maßstäbe allen politischen Handelns sein. Wenn wir dies erreichen, dann hat die Arbeit des Flick-Untersuchungsausschusses etwas bewirkt, das über den Tag hinaus gilt, nämlich eine Veränderung unseres eigenen Bewußtseins.

Im Interesse besserer Lesbarkeit sind weder die Kürzungen gekennzeichnet noch die zahlreichen Zwischenrufe aus dem Plenum wiedergegeben.