Was in den Büchern stehet, das bleibet. Was in der Zeitung steht, vergeht. Vergilbt und wird vergessen.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen: Texte, die im Gedächtnis bleiben wie eine große Liebe. Sätze, die man sich immer wieder vorsagen, ja vorsingen möchte, wie eine kraftvolle Sentenz von Schiller, wie eine wehmütige Melodie von Schubert. Sätze, die das kalte Herz Deutschlands zum Schlagen bringen wie eine Glocke.

Ganz und gar unvergeßlich ist uns ein kl. Text geblieben, den Dieter Schröder, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, im Sommer 1988 an uns gerichtet hat: „Den bekannten Stärken der SZ sollen im Interesse des Lesers neue hinzugefügt werden. Ein Beispiel ist ein umfangreicherer und übersichtlicherer Wetterkasten.“

Jetzt kommt’s aber noch besser. Wieder ist eine süddeutsche Zeitungsrevolution zu melden – und wieder hat es der Ernst der Lage notwendig gemacht, daß Chefredakteur Schröder persönlich zur Lage der Zeitung kraftvoll das Wort ergreift. Wer sonst als er?

„In der Bundesausgabe werden sich die München- und Bayernseiten im Inneren einer Lage befinden. In der Bayernausgabe werden Lokal- und Bayernteil nun entweder die vierte Lage bilden oder, bei umfangreicheren Ausgaben, die fünfte und/oder sechste. An die zweite Stelle rückt nun in beiden Ausgaben das erweiterte Feuilleton vor. In dieser Lage befinden sich außer der ‚Münchner Kultur‘ auch die Seiten ‚Fernsehen und Hörfunk’, so daß die lästige Suche nach dem täglichen Fernsehprogramm endgültig aufhört. Die dritte Lage bildet wie bisher der Wirtschaftsteil.“

Wahnsinn! Das sitzt! Und damit es richtig sitzt, hat Dieter Schröder ein paar Tage später die Lage der Lagen seinen Lesern abermals erklärt, diesmal nicht auf der ersten, sondern leider erst auf der zweiten Seite der ersten Lage. Egal.

P.S. Sollten Sie, lieber ZEIT-Leser, diesen unseren leider nicht unvergeßlichen Beitrag nicht auf Anhieb finden können, ist Ihre Lage doch nicht hoffnungslos. Ein Tip: „Das Letzte“ befindet sich in dieser Woche im rechten, hintersten Eck der auch in dieser Woche stark erweiterten ersten Feuilleton-Lage, das heißt in der sechsten ZEIT-Lage. Gleich neben unserem großen Kulturwetterkasten. Finis