ZEIT: Ist die deutsche Bundesbank an den europäischen Währungsturbulenzen schuld?

Marsh: Nein, das wäre sicher zu kurz gegriffen. Es wäre aber besser gewesen, wenn die Äußerungen von Herrn Schlesinger über das britische Pfund etwas diskreter und nicht ganz so oft gemacht worden wären. Bundesbankpräsident Schlesinger hatte trotzdem recht: Das Pfund war überbewertet. Folglich ist das Pfund jetzt um dreizehn Prozent abgerutscht. Wenn man wirklich einen Sündenbock sucht, dann dürfte man nicht auf die Bundesbank zeigen, sondern auf die Bundesregierung.

ZEIT: Und auf die britische Wirtschaft?

Marsh: Ein bißchen, aber ich sage: Wenn man den Sündenbock sucht, dann ist die gegenwärtige Hochzinspolitik durch die großen deutschen Haushaltsdefizite verursacht. Andererseits wußte jeder, daß unser Beitritt zum Europäischen Währungssystem mit großem „Streß“ verbunden sein würde. Die Belastungen, die wir auf uns genommen haben, waren so groß, daß man den Kurs des Pfundes nur nach unten rutschen lassen konnte. Wir haben jetzt eine Rezession, die längste ist seit 1930. Wenn unsere Zinsen bei fünfzehn Prozent geblieben wären, hätte dies in eine echte Depression geführt. Und das hätte die englische Wirtschaftspolitik nicht durchgestanden.

ZEIT: Großbritannien hat jetzt das Europäische Währungssystem verlassen. Wo lebt es sich jetzt eigentlich besser – innerhalb oder außerhalb dieses Systems?

Marsh: In den kommenden Monaten wird man eine kleine konjunkturelle Erholung erleben, weil die Zinsen nach unten gehen werden. Außerdem wird man jetzt eine etwas größere Abwertung des Pfundes vornehmen können, als wenn man innerhalb des Systems geblieben wäre. Aber auf längere Sicht bin ich gar nicht davon überzeugt, daß wir besser außerhalb des Systems leben werden. Wir werden in Europa immer den deutschen Bedingungen ausgesetzt sein. Die hohen deutschen Zinsen werfen einen Schatten nicht nur auf die Währungen innerhalb, sondern auch außerhalb des Systems.

ZEIT: Angenommen, die Bank of England wäre seit jeher so unabhängig wie die Bundesbank: Ginge es Großbritannien heute besser?