Von Sten Nadolny

Ja, reden wir in Ruhe, trotz aller Verzweiflung, versuchen wir es! Und reden wir einmal über die Deutschen, nicht über die Ausländer, als wären die „das Problem“!

Zunächst Dank: Bahman Nirumand ist uns freundlich gesonnen, er traut den Deutschen keineswegs nur Schlechtes zu. Ich gehöre zu diesem Volk und fühle mich elend, wenn es sich verhaßt und lächerlich macht, vor allem aber, wenn man uns als hoffnungslos abschreibt. Wir sind es nicht, auch wenn es zur Zeit danach aussieht.

Man sollte aber jedenfalls bescheiden bleiben. Daß die hier lebenden Ausländer uns Deutsche je lieben werden, ist nicht zu erwarten und auch nicht nötig. Und wir selbst haben auch keine Verpflichtung, Ausländer zu lieben, nur weil sie Ausländer sind. Es genügt völlig, wenn wir einander respektieren, korrekt behandeln und unterstützen, wo möglich – nicht aus Liebe, sondern weil es anders gar nicht geht.

Leider erreicht auch die soundsovielte Wiederholung all der vernünftigen Argumente nur die, die sie ohnehin akzeptieren. Andere, auch wenn sie Zeitung lesen, fernsehen und Radio hören, lassen sie an sich vorüberrauschen, weil sie sie (zu Unrecht) für einen Bestandteil jener jahrzehntelangen moralischen Belehrung halten, von der sie nichts mehr hören wollen. Und eines wissen diese Leute immer schon ganz genau: Wir können uns, sagen sie, die Ausländer nicht leisten. Das Gegenteil ist aber der Fall: Wir können uns den Verzicht auf Ausländer nicht leisten! Wir brauchen sogar noch weit mehr von ihnen, und keineswegs nur der berühmten „Dreckarbeit“ wegen. Es ist schon seltsam, daß wir angesichts dieser Lage als Haustür und Ventil kein klares Einwanderungsgesetz, sondern nur das Asylrecht haben, das Elendsflüchtlinge aus aller Welt zum Lügen zwingt – und die Beamten und Juristen überfordert.

Wie kommt es, daß nicht nur wirrköpfige Schläger, sondern auch die gewählten Politiker und viele Meinungsmacher unfähig sind, zwischen dem Thema „Asyl“ und dem Thema „Ausländer“ zu unterscheiden? Hat das etwa Methode? Die beiden Themen haben nichts miteinander zu tun. Wenn es ein Problem gibt, dann mit einer unklaren, vielleicht sogar heimtückisch-zweckvollen, in jedem Fall aber politisch und organisatorisch mangelhaften Handhabung des Asylrechts.

„Die Deutschen“ – ? Ihnen ist nicht wohl bei dieser Pauschalierung, Herr Nirumand, und das ehrt Sie. Es sind so viele Unterscheidungen nötig. Da gibt es die Deutschen von damals, die geschichtlich bekannten sozusagen, und die heutigen, die doch anders sind – das ist zu untersuchen. Dann gibt es die Deutschen (Ost) und die Deutschen (West) – es wäre Unsinn, sie aus Wunschdenken miteinander zu vermengen. Und es gibt den Gegensatz, sehr vereinfacht, zwischen den „Dummen“ und den „Klugen“.