ZEIT: Nachdem erst nur geschimpft wurde, hat nun die konstruktive Phase in der Diskussion um die Gesundheitsreform begonnen. Wir hatten den Eindruck, Herr Oesingmann, daß das bei den Ärzten eine blitzartige Wende war. Stehen Sie nach der heftigen Kritik aus der Öffentlichkeit mit dem Rücken zur Wand?

Oesingmann: Nein, ich stehe nicht mit dem Rücken zur Wand. Insbesondere hatten wir es nicht nötig, eine blitzartige Wendung vorzunehmen. Denn wir haben von Anfang an Alternativvorschläge eingebracht

Seehofer: Ich habe es schon so empfunden, daß die Ärzteschaft insgesamt über viele Wochen hinweg versucht hat, mit einem gehörigen Trommelfeuer und unter Einbeziehung der Patienten dieses Gesetzeswerk zu Fall zu bringen. Von konstruktiver Mitarbeit habe ich nichts gemerkt.

Oesingmann: Herr Minister, da muß ich energisch widersprechen. Wir haben Ihnen unsere Positionen in Abständen von mehreren Wochen, jeweils aktualisiert, vorgelegt.

Seehofer: Mit dem Kurzinhalt: Wir sind dagegen. Wir sind dagegen. Wir sind dagegen. Wir kommen uns doch jetzt nur in der Sache näher, weil es Ihnen nicht gelungen ist, die Öffentlichkeit auf die Seite der Ärzte zu ziehen.

ZEIT: Herr Seehofer, Ihnen wurden von Ärzten Euthanasieabsichten unterstellt. Können Sie da noch unbeschwert mit Standesvertretern reden?

Seehofer: Da war noch mehr: „Preisdiktator“, „Gesundheits-Stasi“, „Infamie“. Ich würde eine Diskussion mit dem Hartmannbund nicht mehr führen, denn die Abqualifizierungen, die von dort kamen, haben die Grenze überschritten. Ein Politiker ist kein Fußabstreifer. Ich hätte auch nicht gedacht, daß man mir so brutal an den Kopf wirft: Denken Sie daran, daß wir ihr Wählerpotential sehr konkret beeinflussen können. Mit Herrn Oesingmann allerdings rede ich weiterhin gerne, er hat mich nicht persönlich beleidigt.