Drogenpolitik einmal andersherum: Warum setzen sich Zehntausende Kleinbauern in Asien und Lateinamerika der Gefahr für Leib und Leben aus, um ein durch internationales und nationales Recht geächtetes Produkt herzustellen? Antwort eines bolivianischen Kleinbauern: „Koka ist wie unser Kind. Es hält uns am Leben, hilft uns, die Kleinen zur Schule zu schicken, und obwohl der Preis rauf und runter geht, bietet es immerhin hoch ein sicheres Einkommen.“

Gegen dieses fundamentale Überlebensinteresse von einfachen Kleinbauern haben sich die milliardenschweren Antidrogenkampagnen als wirkungslos erwiesen. Weder ist es in den Konsumentenländern gelungen, mit Polizeiknüppeln die Nachfrage nach harten Drogen auszutrocknen, noch konnte in den Erzeugerländern mit den herkömmlichen Mitteln von Staatsgewalt und ökonomischen Anreizen der Drogennachschub vermindert werden – im Gegenteil: Die Produktion wächst. Neue Politikansätze sind erforderlich. Dazu gehört möglicherweise die Legalisierung des Drogenkonsums im Norden, mit Sicherheit aber ein neuer Entwicklungspfad für die Erzeugerländer im Süden.

Eine Herausforderung mit Chancen: Weil der exzessive Anbau von Koka und Mohn in den Ländern der Dritten Welt ein Zeichen extremer Unterentwicklung ist, kann die Bekämpfung des Drogenanbaus zum Testfall dessen werden, was neudeutsch sustainable development genannt wird. Genau dieser Schnittstelle zwischen dem Drogenproblem und der entwicklungspolitischen Fragestellung widmet sich das Büchlein aus dem Panos-Institut, das sich der Erforschung von langfristig tragfähigen Entwicklungsmodellen verschrieben hat.

Zuletzt wurde dieses Konzept, noch reichlich abstrakt, beim Erdgipfel in Rio de Janeiro auf die internationale Agenda gesetzt. Michael Smith wendet es nun auf ein konkretes Problem an: Der Drogenkrieg, so sein Credo, wird nicht mit Gewehren oder Gesetzen gewonnen – sondern mit nachhaltiger Entwicklung.

Warum ist die Drogenwirtschaft nicht nachhaltig? Sie zerstört die tropischen Böden und verseucht das Wasser, fördert bei der erschreckend wachsenden Konsumentenschar in der Dritten Welt schlimme Krankheiten wie Aids und Gehirnschäden, steigert die Kriminalitätsrate und schädigt das ökonomische System der Erzeugerländer: Das Narco-Business schwächt die Konkurrenzfähigkeit des legalen Sektors.

In fünf Länderstudien, verfaßt von Journalisten aus Erzeugerländern, wird die Funktionsweise der Drogenwirtschaft anschaulich beschrieben. Dagegen bleibt die von Smith als richtig erkannte Remedur noch sehr allgemein. Er benennt die Akteure, die ihr Handeln ändern müssen, verrät aber nur in ersten Ansätzen, wie. So bleibt am Ende doch ein wenig Ratlosigkeit angesichts der Erkenntnis: „Es gibt keine einfachen Vorschriften, magischen Formeln oder schnellen Anpassungen.“

Aber immerhin: Die Diskussion ist eröffnet. Der Norden hat viel zu tun, das Drogenproblem zu Hause halbwegs unter Kontrolle zu halten. Doch ohne neue, aussichtsreiche Entwicklungsstrategien im Süden bleibt alle Drogenbekämpfung unvollständig. Lesenswert. vo