Auf den deutschen Aktien- und Rentenmärkten kann von einer zielgerichteten Anlagepolitik vorerst keine Rede sein. Am ehesten noch bei den festverzinslichen Papieren, bei denen der Renditerückgang in den letzten Tagen zum Stillstand gekommen ist. Obwohl das Wachstum der Geldmenge eigentlich dagegen spricht, ist die Hoffnung auf weiter sinkende Zinsen nicht aufgegeben worden. Dabei haben die Kapitalmarktzinsen seit 1990 schon einen kräftigen Rückgang hinter sich: Die durchschnittliche Umlaufrendite öffentlicher Anleihen sank seit 1990 von etwa 9,20 Prozent auf nunmehr rund 7,80 Prozent.

Mit Recht ärgerlich sind jene Rentensparer, die den Ratschlägen ihrer Banken vertraut und in den vergangenen Jahren Ecu-Anleihen erworben haben. Ihr Zinsvorsprung wurde durch die jüngsten Währungsabwertungen aufgezehrt. Aber was noch schlimmer ist: In den kritischen Tagen haben sich Ecu-Anleihen als schwer oder kaum handelbar erwiesen.

Der Aktienmarkt hat zwar zunächst von den Leitzinssenkungen der Bundesbank profitiert. Inzwischen sind jedoch die Folgerungen in den Vordergrund gerückt, die sich für die deutsche Industrie aus den diversen Währungsabwertungen ergeben. Am meisten litten darunter die Aktien der Autoindustrie, deren Export in die meisten europäischen Länder erschwert wird. Die Analysten der Banken sind dabei, ihre Gewinnschätzungen nach unten zu revidieren.

Vorübergehend galten die Finanztitel als kaufenswert – dies nach der üblichen Börsenregel: Wenn die Zinsen fallen, werden Bankaktien steigen. Inzwischen ist aber auch bei ihnen die kurze Aufwärtsbewegung wieder zu Ende gegangen. Teilweise waren Verkäufe aus dem Ausland die Ursache. Engländer können deutsche Aktien wegen des gestiegenen Mark-Kurses teilweise heute noch mit beachtlichem Gewinn abstoßen.

Leidtragende der Währungsentwicklung sind neben den Autowerten auch die Maschinenbauaktien. Der Branche geht es ohnehin derzeit nicht gut, und nun kommt die durch die Kursverschiebungen gestärkte Auslandskonkurrenz hinzu. Selbst erstklassige Titel wie Linde-Aktien sind in den Sog der Abwärtsbewegung geraten. Daß Stahlaktien unter Druck liegen, ist wegen der sich abzeichnenden Stahlkrise nicht verwunderlich.

K. W.