Wie stellt sich die Forschung in Deutschland aus dem Blickwinkel des „Postdoks“ (Hochschulassistenten) dar? Antwort gibt ein Buch, das, sympathischerweise „ohne soziologischen Sprachquark“ geschrieben, ein „machiavellistischer Leitfaden“ sein möchte.

Dem Autor, Siegfried Bär (falls er so heißt), ist dies vorzüglich gelungen. Er wendet sich mit seiner mal locker witzigen, mal kräftig zubeißenden Kritik an junge Menschen, die als Abiturienten oder Studenten vor der Frage stehen, ob sie sich der Forschung an einer Universität oder einem Max-Planck-Institut widmen sollen, um – vielleicht – einmal Professor oder gar ein berühmter Gelehrter zu werden.

Bär exemplifiziert seine Satire hauptsächlich an Beispielen aus eigener Erfahrung, als Postdok der biologisch-biochemischen Forschung. Aber seine messerscharfen Beobachtungen lassen sich mühelos in jedes andere Forschungsgebiet verpflanzen.

Etwa die Erkenntnis: „Die gewöhnlichen Forscher leben wie die unbehausten Handwerksgesellen des 18. Jahrhunderts. Ihre Lehrzeit ist lang, ihr Verdienst gering, ihr Los die Wanderschaft. Dagegen ist der Professor das Ideal eines Meisters des alten Handwerks. Er hat den zünftigen Gedanken vom bescheidenen, aber sicheren Brot verwirklicht; denn sein Einkommen garantiert der Staat, und was als bescheiden gilt, ist Ansichtssache.“ Der Vergleich mit dem alten Handwerk sticht: Es hat abgeschlossene Zünfte, in der Uni Fakultäten genannt, und „allein die Zunft bestimmt darüber, welcher Geselle Meister (Professor) werden darf“.

Mit desillusionierender Drastik beschreibt Bär das Tagewerk der niederen Chargen im Labor, wobei mir seine ausführliche Schilderung des Rattentötens in dem Kontext deplaziert erscheint. In solchen Reportagen über den Forschungsalltag erschöpft sich das kleine Werk jedoch nicht.

Es bietet mit erfrischender Flapsigkeit eine Fülle von Information, zum Beispiel über die – für das spätere Fortkommen unabdingbare – Veröffentlichung in einer wissenschaftlichen Zeitschrift, kurz „Paper“ genannt („was für den Bäcker das Brot, für den Metzger die Wurst, das ist für den Wissenschaftler das Paper“). Der Leser erfährt, wie ein Paper verfaßt und wo publiziert werden muß, wenn es Erfolg bringen soll. Dazu gehören allerlei Tricks, die der Verfasser sorgsam auflistet, wie die „Überlappungsmethode“: Das Hauptergebnis einer Untersuchung „wird mehrmals in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht, indem man es mit wechselnden Nebenergebnissen verziert“. Nachahmenswert dürfte auch die „Methode der kleinsten publizierbaren Einheit“ sein: Das Forschungsergebnis wird in einzelne Teilergebnisse aufgespalten, und diese werden dann getrennt veröffentlicht; denn die Anzahl der Papers ist ein wesentlicher Parameter jeder Forscherkarriere.

Darüber hinaus gibt es noch die „Lawinenmethode“ und das „Wassermilchverfahren“. Nicht minder lehrreich ist der saloppe „Leitfaden durch die Phraseologie des Papers“, das heute durchweg in englischer Sprache abgefaßt wird.