Spekulieren sei nie seine Art gewesen. „Zu fragen, was wäre wenn, mein Gott, so bin ich nicht veranlagt“, sagt Hans Matthöfer, der Exforschungsminister, Exfinanz- und Expostminister, der einmal zum „linken Flügelmann“ der SPD (so die FAZ) gestempelt, einmal als „Kämpfer ohne Pathos“ (Helmut Schmidt) tituliert wurde. „Wenn man wie ich von heute auf morgen irgendwo hineingeschickt wird, dann entwickelt man eine gewisse Arbeitstechnik, um ein Problem zu lösen. Man dröselt es in seine Bestandteile auf und bringt eine Sache nach der anderen in Ordnung.“ So einfach ist das.

Ganz mag Matthöfer das Nachdenken über die Frage „was wäre, wenn die Neue Heimat (NH) zu retten gewesen wäre ...“ allerdings nicht lassen. Schließlich ist er als Vorstandsvorsitzender der gewerkschaftseigenen Holding Beteiligungsgesellschaft für Gemeinwirtschaft Aktiengesellschaft (BGAG) auch zuständig für die Überbleibsel des einstmals größten europäischen Wohnungskonzerns, dem Mitte der siebziger Jahre mehr als 350 000 Wohnungen gehörten (siehe Graphik).

Ironie des Schicksals: Was der Gewerkschaftsholding aus dem Nachlaß geblieben ist, entpuppt sich inzwischen als Goldgrube. Die NH Niedersachsens etwa, der heute zwar noch rund 20 000 Wohnungen gehören, die sich aber vor allem mit Stadtsanierungsprojekten in den neuen Bundesländern einen guten Namen gemacht hat, erwirtschaftete in den vergangenen vier Jahren Überschüsse von mehr als 200 Millionen Mark. Nun denken die Gemeinwirtschaftler sogar darüber nach, das Unternehmen an die Börse zu bringen. Das sind zwar noch Planspiele, doch sie zeugen vom Optimismus bei der BGAG.

Mit ihrem Immobilienengagement hat die BGAG derzeit jedenfalls mehr Freude als mit ihren Beteiligungen an dem skandalgeschüttelten Handelskonzern co op und der angeschlagenen Bank für Gemeinwirtschaft (BfG).

Weil die Immobilienpreise drastisch gestiegen sind, könnte der damals konkursreife Wohnungsgigant heute ein prosperierendes Unternehmen sein. Und genau das bringt einen Finanzprofi wie Matthöfer in wehmütige Stimmung. „Ja, es wäre schön gewesen, wenn wir die Neue Heimat hätten halten können“, sagt er. „Dann wären wir heute sicher um einige Milliarden Mark reicher.“

Eigentlich hätte sich die Gewerkschaftsholding längst völlig aus dem Wohnungsgeschäft verabschieden müssen – so jedenfalls will es ein nach wie vor gültiger Beschluß des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) aus dem Jahr 1986. Aber BGAG-Chef Matthöfer denkt gar nicht daran, sich das Ob und Wann eines Verkaufs vom DGB vorschreiben zu lassen. „Die BGAG ist eine Aktiengesellschaft, zu entscheiden hat der Aufsichtsrat.“

Von der einstigen Herrlichkeit ist nicht mehr viel geblieben. Heute firmiert als Neue Heimat AG lediglich eine Pensionssicherungsstelle in Hamburg mit einem Dutzend Mitarbeitern. Die ehemalige Neue Heimat Städtebau, die später als GSP Gesellschaft für Städtebau und Planung Großprojekte wie die Kliniken in Aachen und Göttingen oder das Internationale Kongreßzentrum in Berlin hochzog und dabei den gemeinnützigen Wohnungskonzern aussog – zum Jahreswechsel 1991/92 untergegangen. Die Neue Heimat International, die mit Wahnsinnsprojekten in aller Welt den gesamten Konzern mit ins Verderben riß – Geschichte. Was bleibt, sind letzte Aufräumarbeiten.