Begonnen von Fischer von Erlach, vollendet von Adolf Loos, zerstört von Hans Hollein. Das ist die Geschichte des Wiener Michaelerplatzes, einst einer der schönsten Plätze Wiens. Zwischen Fischers Hofburg, die einen Höhepunkt des österreichischen Barocks markiert und dem Loos-Haus, das einen weltbedeutenden Beginn der Moderne markiert, markierte jetzt der Zeitgeist. Er hat sein Geschäft verrichtet wie folgt:

Bei Grabungen wurden römische Funde gemacht, einige unscheinbare Fundamente; Provinzstädte haben haben dutzendweis Ansehnlicheres. Die echten Fundamente wurden schwindelhaft höher gemauert und schauen immer noch nichts gleich. Hollein, Stardesigner, wer designt, ist nun mal Star, machte rundherum eine pompöse, eiskalte steinerne Fassung, doppelt so teuer wie die Ausgrabung selber.

Das Ding wurde todchic. Der Platz ist hin. Als die Wiener aufwachten und anhüben zu matschkern (tschechisch-wienerisch für motzen), war’s zu spät, wie üblich. Sie erregten sich auch nicht sonderlich, wie üblich. Die Wiener sind’s. gewohnt, daß ihre Stadt von der Obrigkeit ruiniert wird. Dem nie endenden, dichtgedrängten Touristenstrom entnehmen sie, daß schon irgendwas Sehenswertes übriggeblieben sein muß.

Ahnungs- und ratlos gaffen die Fremden in die dumme Grube. Die gewissenhaftesten blicken aus der Grube, in der nix zu sehen ist, in ihren Stadtführer, in dem nix drüber steht, sondern nur was über die Architekturschätze rundum. Na gut, werfen sie halt auf diese auch noch einen Blick, oder statt blicken fotokraften oder vidioten sie. Und weiter, weiter.

Zur Minoritenkirche, hinter der die Mauern der einstigen Ludwigskapelle gefälscht bis Kniehöhe nachgebaut wurden.

Zur Stubenbastei, wo die einstigen Mauerbefestigungen gefälscht nachgebaut wurden. Samt Modell der mittelalterlichen Stadt, in modernistisch verzerrter Perspektive.

Na was brauch’ ma ein Disneyland, denkt sich der Wiener Magistrat, irgendwelche Attrappen hinschwindeln, das können wir selber auch.