Mottenpfiffis

Wenn draußen die Blätter von den Bäumen fallen, naht die Zeit der stillen Melancholie. Zeit für Herbstgeschichten, für Geschichten vom Werden und Vergehen. Insofern scheint es ganz angebracht, von einem Schreiben Kenntnis zu geben, das uns aus Dudweiler erreichte. Ein Brief der Hoffnung, wenn man so will, wegen seines positiven Grundtones wie geschaffen für die dunkle Jahreszeit. Es geht um Toupets, genauer gesagt, um die Toupet-Technologie, die, wie uns ein engagierter Friseur aus eben diesem Dudweiler schreibt, „nicht stehengeblieben ist“. Wie uns der Absender wissen läßt, sei der schlechte Ruf von Toupets „nicht gerechtfertigt“. Vorbei seien die Jahre der „Primitiv-Produkte“, die auf der Glatze thronen, des für jedermann zu erkennenden „Mottenpfiffis“. Heutige „Spitzenprodukte“ seien in der Lage, den Verlust des Originalhaares „zu vertuschen“. Daß trotzdem der Haarersatz „imagemäßig am unteren Ende der Beliebtheitsskala der Outfit-Accessoires rangiert“, möchte unser Mann aus Dudweiler nicht länger hinnehmen. Er ist es offenbar auch leid, als Toupetspezialist am Ende doch nur ein Opfer seiner Kunst zu werden. „Während eine außergewöhnliche Leistung eines Haardesigners in der Öffentlichkeit stets Aufmerksamkeit findet“, schreibt er über die grausame Dialektik seines Fachs, „so ist das bei einem Haarersatz-Spezialisten genau umgekehrt.“ Aus gewerblicher Sicht sei die Unauffälligkeit der Toupet-Frisuren „ein großes Risiko“. Gleichwohl – und insofern Hut ab – will er an seiner Haarersatzphilosophie festhalten. „Skinlight“: so der Name eines aktuellen Toupet-Produkts, das „seinen Träger nicht verrät“. Ein schöner Name, den wir uns hinter den Spiegel stecken, für jenen Herbst, wo auch die Haare fallen.

Ausgezeichnet

Allen Gasfüßlern sprach Gerd Gerken, der prominente Trendforscher, unlängst aus dem Herzen. Im Fachorgan Auto-Bild keimte ihm die Erkenntnis, daß stockender Straßenbau die kulturelle Entwicklung bremse „wie ein Krieg“. Seine Empfehlung: Die Natur müsse für den Straßenbau regelrecht „versklavt“ werden. Sei dies im Zuge neuer Autobahnen nötig, sollten ganze Ortschaften umgesetzt werden. Zu erwähnen ist dies nur deshalb, weil Gerken dafür nun den „Hammer des Monats“ der Zeitschrift natur erhält, für den „Größten Anzunehmenden Unfug“ (GAU) in Sachen Umwelt. Gratulation.