Nobler Rat

Der Krieg in Bosnien-Herzegowina muß aufhören: Mit diesem Appell wenden sich 65 Nobelpreisträger aller Fachgebiete an die Öffentlichkeit. Die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft sollen ihren Einfluß nutzen, um den Angriffskrieg der serbisch dominierten Armee zu stoppen und die Menschenrechtsverletzungen auf beiden Seiten zu unterbinden. „Das ist einer der kategorischen Imperative unserer Zeit“, heißt es in dem Aufruf. Offizielle Reaktionen der EG und Amerikas: keine. Da hatten vier Nobelpreisträger 1957 mehr Erfolg. Sie und 14 weitere Wissenschaftler warnten vor den Gefahren der Atombombe – die „Göttinger Erklärung“ beherrschte damals die Schlagzeilen. Heute ist der Appell von 65 Prominenten gerade noch eine Randnotiz wert. Schlechte Zeiten für Ratschläge von Preisträgern.

Starke Frauen

Für die Probleme ihrer Nachbarn haben die Deutschen stets die allerbesten Lösungen parat. Nur für sich selber wissen sie keinen Rat. Der deutschen Krise hat sich jetzt der amerikanische Historiker Jerrold Atlas angenommen. Aus der Sicht des „Psychohistorikers“ studierte er die Deutschen am Beispiel ihrer Zeitungskarikaturen. Damit, so behauptet er, vermag er in ihre Zukunft zu schauen. Die ist nicht rosig, denn auf den Werken der deutschen Zeichner entdeckte er viele starke Frauen und verwirrende Linien. Die mächtigen Damen lassen den Professor auf Potenzprobleme schließen. Die Linien symbolisieren für ihn den Mutterkuchen und unterstreichen die kollektive Schwäche der „Krauts“. Mit solchen Selbstzweifeln, meint der Psychohistoriker, könne man in Europa nicht bestehen.

Aus der ZEIT-Redaktion

Am 1. Oktober hat Theo Sommer die Chefredaktion der ZEIT an Robert Leicht abgegeben; er ist fortan mit Marion Gräfin Dönhoff und Helmut Schmidt Herausgeber des Blattes. Haug von Kuenheim (ZEITmagazin) wird neben Nina Gronenberg (Ressort Wissen) stellvertretender Chefredakteur.