Trajan Ciurar ist ein Rom aus Rumänien, einer, von mehr als 40 000, die in diesem Jahr nach Deutschland kamen – überwiegend aus Rumänien und überwiegend illegal. Er ist ein Asylbewerber. Gern gesehen ist er hier nicht. „Bald werdet ihr brennen!“ dröhnt der Mob.

Trajan Ciurar ist zehn Jahre alt, spielt und lacht. „Bald“ trifft für ihn nicht zu. Er hat schon gebrannt. Aber nicht hier.

Im April wurde das Haus, in dem er mit seinen Eltern, Schwestern und Brüdern im Dorf Sinceni wohnte, in Brand gesteckt. Danciu Ciurar, Trajans Vater, erzählt: „Vor ungefähr vier Monaten war es. In der Nacht. Ein paar Rumänen kamen gemeinsam mit der Polizei zu unserem Haus und warfen mit Benzin gefüllte Flaschen durch die Fenster. Trajan ist doch noch ein Kind! Er schlief. Ich rannte hinaus. Es waren sieben oder acht rumänische Jugendliche, etwa siebzehn oder achtzehn Jahre alt, und die Polizisten. Als sie mich sahen, liefen sie weg. Ich rannte wieder hinein und brachte das Kind nach draußen. Es brannte von oben bis unten. Die Kleider brannten lichterloh.“

Sein Leben lang wird Trajan von den Verbrennungen dritten Grades Narben behalten. Am unteren Teil des Rückens, an den Rückseiten der Beine bis zu den Füßen tiefe Brandmale, die durch das Muskelgewebe bis auf die Knochen gehen. Dr. Holz, der behandelnde Arzt am Krankenhaus von Eisenhüttenstadt, wo Trajans Eltern und elf weitere Familienmitglieder im Aufnahmelager für Asylsuchende untergebracht sind, erklärt: „Wir schicken den Jungen in eine Spezialklinik für Verbrennungen nach Berlin. Er muß operiert werden, da das vernarbte Gewebe in solchen Fällen nach einigen Monaten die Funktion der Gelenke beeinträchtigt. Das Laufen fällt ihm jetzt schon sichtlich schwerer.“

Trajans Mutter, Soliza, und der Vater berichten weiter. Die Mutter: „Als erstes haben wir ihm Speiseöl auf die Haut geträufelt.“ Der Vater: „Ich habe ihm die Kleider ausgezogen, und dann haben wir ihn ins Krankenhaus gebracht. Sie behielten ihn gleich da. Fast drei Monate lang. In unser Haus gingen wir nicht mehr zurück. Sie hätten uns sonst umgebracht. Wir blieben bei Verwandten im Dorf Teiusi. Von dort besuchten wir unseren Sohn im Krankenhaus. Man gab uns auch Salbe mit. Als er wieder gehen konnte, nahmen wir ihn zu uns, und weil wir nicht in Rumänien bleiben konnten, gingen wir weg und kamen hierher. Ich wollte ja gar nicht hierherkommen, aber es blieb uns nichts anderes übrig. In Teiusi hörte ich von einem Mann, daß man unser Haus ausgeplündert und niedergebrannt hatte. Ich wollte nicht mehr zurück und

Von Darren Nolan

es so zerstört sehen. Zu sehen, wie es brannte, hat gereicht. Dann sagten ein paar Männer: ‚Kommt mit, wir bringen euch nach Deutschland.‘ Sie wollten auch dorthin.“