Von Friedhelm Gröteke

Die Symbole Italiens werden ausländisch – zumindest, wenn es sich um Aperitifs handelt. Nicht weniger als vier große Marken wechselten in den vergangenen zwei Jahren ihren Besitzer, und in allen Fällen haben die Erwerber ihren Sitz jenseits der italienischen Grenzen.

Es begann mit dem Cinzano, den sich die britische Gruppe International Distillers einverleibte. Der von Grand Metropolitan kontrollierte Distillers-Konzern gehört mit seinem Guinness und insgesamt zwei Fünfteln der hundert bekanntesten Markenalkoholika der Welt zur Spitze der Branche. Den italienischen Aperitif Aperol schnappten sich Allied Lyons, bekannt durch die schottische Whisky-Marke Ballantines. Riccadonna landete bei dem Holländer Bols, der zuvor schon den Cynar gekauft hatte.

Und nun hat es das Ausland auf den, nach Fiat, in der ganzen Welt bekanntesten Markenartikel Ialiens abgesehen: den Martini. Die amerikanische Bacardi-Gruppe will fast die Hälfte der Anteile an der General Beverage Corporation kaufen, die in Luxemburg den Besitz der Eigentümerfamilie Rossi verwaltet; eine Option auf die Mehrheit ist ebenfalls im Gespräch. Zwei bis zweieinhalb Milliarden Mark will sich der größte Rumhersteller der Welt den Einstieg angeblich kosten lassen.

Ökonomisch hätte der Zusammenschluß durchaus Sinn. Bacardi erzielt weltweit einen noch höheren Bekanntheitsgrad als Martini, wird jedoch noch überwiegend in Amerika verkauft. Dagegen setzen Martini & Rossi ihre Produkte zu vier Fünfteln in Europa ab. Ein Zusammenschluß würde also auf einen Schlag ein weltweites Vertriebssystem öffnen, er würde außerdem eine geballte Finanzkraft schaffen, nicht zuletzt bei der Übernahmeschlacht um weitere Markenprodukte.

Ein Vergleich von Bacardi und Martini ist auch sonst nicht ohne Reiz. Facundo Bacardi, der sein Imperium 1867 auf Kuba gründete, hat heute weit über 250 Nachkommen. Damit übertrifft er posthum nicht nur hinsichtlich des Konzernumsatzes den Italiener Luigi Rossi di Montelera, der 1867 seinen ersten, nach alter piemontesischer Tradition gefertigten Wermut auf den Markt brachte. Immerhin genießen heute auch über dreißig Rossi-Erben den Erfolg des 125 Jahre alten Produkts.

Die Familie Rossi di Montelera führte ihren Getränkekonzern bisher mit äußerster Diskretion. Wieviel Familienmitglieder überhaupt Anteile an der General Beverage-Holding in Luxemburg besitzen, ist unbekannt; ebenso, welcher der Sprößlinge jetzt durch einen Verkauf an Rossi Kasse machen möchte. Folgt man den in Mailand kursierenden Gerüchten, dann handelt es sich bei den Verkaufswilligen um Ida und Laura Rossi di Montelera, die Witwe und die Tochter des Gründer-Enkels Theo, der im vergangenen Jahr gestorben ist. Der Sippen-Patriarch Theo Rossi hatte jahrelang den Konzern zusammengehalten. Er gilt als Erfinder des Sport-Sponsoring und holte selbst bei den Olympischen Spielen 1932 in Lake Placid eine Goldmedaille im Viererbob. Da Theo jedoch nur ein Viertel des Konzerns kontrollierte, müssen auch noch andere Erben verkaufsbereit sein.