Schweinerei. Da haben wir das ganze kostbare Wochenende damit verbracht, für diese Kolumne endlich einmal einen wirklich bissigen Beitrag zu verfassen, ein paar Zeilen, die auch unserem griesgrämigsten Leser ein silberhelles Lachen entlocken sollten, hatten einen Einleitungsscherz gefunden und eine Schlußpointe und wider Erwarten auch ein Thema (nämlich: den von Bild am Sonntag im Dorf Goldlauter bei Suhl entdeckten Volksbrauch des Hundebratens und Hundeverzehrens), da schlagen wir Montag früh die Süddeutsche Zeitung auf und entdecken in diesem hundsgemeinen Blatt ein allerdings erstklassiges, fast möchten wir sagen affengeiles Streiflicht zum Thema (unserem Thema!), was uns naturgemäß tierisch ärgert, denn wir hatten, siehe oben, das ganze kostbare Wochenende...

Fast hätten wir vor Wut unseren Hund resp. unsere liebe Gattin gebissen. Fast hätten wir eine kleine gemeine Racheglosse über die Süddeutsche verfaßt. Aber das ist nicht unser Stil.

Nein, wir haben ganz einfach ein anderes großes Thema dieser bewegten Tage aufgegriffen und knallhart recherchiert, nämlich dieses: „Darf ein Mann zu seiner Frau Mutti sagen?“ Und dabei (hoho, liebe Süddeutsche!) sind wir auf Zusammenhänge gestoßen, die eurem pointenblinden Streiflichtschreiber natürlich vollkommen entgangen sind.

Zwei Drittel aller deutschen Männer, so ermittelte infas exklusiv für „Das Letzte“, sagen zu ihren Ehefrauen am liebsten „Mutti“. Ein schönes, ein rührendes Ergebnis! Aber: Von diesen zwei Dritteln wiederum halten nicht weniger als neun Zehntel einen oder gar mehrere Hunde. Es besteht also, dies ist jetzt statistisch erhärtet, ein inniger, brisanter Zusammenhang zwischen dem schönen Brauch, „Mutti“ zu sagen zur Liebsten, und der noch schöneren Tugend der Liebe zum Hund.

Wir nähern uns, lieber Leser, einem Abgrund. Und der besteht ganz einfach darin, daß es von der Hundeliebe zum Hundeverzehr nur ein winziger Schritt ist, weil der wahrhaft Liebende (s.a. Kleist, Penthesilea) das Objekt seiner Liebe liebend verzehren muß. Oft liegt nur ein sekundenkurzes „Ach!“ zwischen Kuß und Biß. Auch der deutsche Schlager hat hiervon eine bange Ahnung, wenn er reimt: Hündchen, du bist mein Augenstern, Hündchen, hab’ dich zum Fressen gern!

Fazit, kurz und grausig: Wer heute „Mutti“ sagt zur Gemahlin, dessen Hund könnte sich morgen schon knusprig am Spieße drehn.

An dieser Stelle erhebt die Ehefrau des Verfassers energisch Einspruch: Jetzt reicht’s aber, Papi! Der Verfasser: Schon gut, Mutti!

Finis