Von Ludwig Siegele und Mycle Schneider

Kein Zweifel, mit Greenpeace-Schiffen hat Frankreich seine Schwierigkeiten. Mitte der achtziger Jahre sprengten Agenten die Rainbow Warrior in die Luft, weil sie die Atombombentests auf dem Moruroa-Atoll im Südpazifik stören wollte. Am vergangenen Montag enterten französische Militärs die Beluga, weil sie im Hafen von Cherbourg in der Normandie den Plutonium-Transport nach Japan zu behindern drohte.

Nicht zuletzt wegen der zwanzigjährigen Greenpeace-Kampagne fror Europas Atomstaat Nummer eins im April sein Nuklear-Testprogramm ein. Verdunkelt der Streit um den Strahlenfrachter jetzt die Zukunft der mächtigen französischen Wiederaufarbeitungsindustrie?

Auch wenn die beiden Kontrahenten in dieser Frage wohl nicht auf einen Nenner kommen werden – über die Bedeutung des Versands auf dem Atomfrachter Akatsuki Maru („Morgendämmerung“) sind sie sich einig: „Das ist ein Schlüsselereignis für die gesamte Plutoniumwirtschaft“, versichert Jean-Luc Thierry von Greenpeace Frankreich. „Wer den Transport in Frage stellt, stellt auch die nukleare Wiederaufarbeitung in Frage“, warnt – folgerichtig – Industrieminister Dominique Strauss-Kahn.

Die sündhaft teure Tour zwischen Cherbourg und Japan ist in der Tat noch mehr als die bisher größte Verschiffung des hochgiftigen Schwermetalls: Mit ihr wird nicht nur das Plutonium, sondern auch die Unwirtschaftlichkeit der Wiederaufarbeitung wieder in die Schlagzeilen geraten. Und der Transport ist ein Vorgeschmack darauf, was in den nächsten Jahren vor allem auf die Deutschen zukommt: Berge von Atommüll (siehe Kasten).

„Das ist doch absolut lächerlich. Sagen Sie uns endlich, wo wir hinfahren.“ Der Journalist von der Frankfurter Rundschau ist außer sich, wie viele seiner rund hundert Kollegen auf der Pressefahrt der Cogéma, der Betreiberfirma der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague nahe Cherbourg. Doch die Offiziellen bleiben stumm – aus Angst vor Protestaktionen von Umweltschützern. Erst nach Abflug geben sie das Reiseziel bekannt: ein Schwesterschiff der Akatsuki Maru im Hafen von Saint Nazaire bei Nantes.

Der außergewöhnliche journalistische Blindflug am vergangenen Montag paßt zum Ereignis: Der Versand von 1,5 Tonnen Plutonium ist wohl einer der aufwendigsten und geheimsten Transporte in der Seefahrtsgeschichte. Und hoffentlich ist der Sicherheitsaufwand nicht so vergeblich, wie bei der Pressereise: Als die Journalisten in Saint Nazaire ankamen, hielten ihnen Vertreter der Ökogruppe Robin de Bois bereits Spruchbänder vor die Nase.