Elisabeth II. hält sieben walisische Zwerghunde, Corgis, mit den Namen Spark, Myth, Fable, Diamond, Kelpie, Pharos und Phoenix. Wenn sie die schönen Teppiche in einer der königlichen Residenzen besudeln, werden die Exkremente mit Hilfe einer Sodaflasche und Löschpapier entfernt. Nach ihrem Ableben werden die kleinen Kläffer im privaten Corgi-Friedhof Ihrer Majestät im Schloßgarten von Sandringham beigesetzt.

Fakten wie diese erfährt man in der „Royalty & Empire“-Schau im Bahnhof von Windsor, gleich unterhalb der Schloßauffahrt zur Staatsresidenz. Der Pomp und Alltag des Königshauses werden hier museal in Szene gesetzt. Zum Beispiel das 50. Thronjubiläum, zu dem die Königin Viktoria vor dem Bahnhof eine glasüberdachte Halle errichten ließ, „damit meine Soldaten nicht naß werden“, wenn sie bei der Ankunft des königlichen Zuges paradieren. Madame Tussauds Wachsbildhauer haben die Parade lebensecht nachgebaut, zwei Abteilungen der Grenadier Guards, vierspännig gezogene Landauer, königliche Hoheiten aus aller Herren Länder, die der alten Dame die Aufwartung machen, Salutschüsse und aus unsichtbaren Lautsprechern gebellte Befehle.

In dem ihrer Urenkelin Elisabeth gewidmeten Ausstellungsteil bekommt der Besucher praktische Einweisungen in königliche Etikette: Wie man Ihre Majestät anredet („Ma’am mit offenem a“), wie man ihr die Hand gibt („Ein männlicher Handschluß gilt als unfein“), wie man einen Hofknicks macht. Wir dürfen sogar Königin spielen, uns ein Replikat der Krone aufs Haupt setzen und zwischen frenetisch blitzenden Pressephotographen hindurchschreiten! Wer intimere Einblicke in das Leben der königlichen Familie erhalten will, kann auf einer Mattscheibe Informationen aus einer Computerdatei abrufen. Zum Beispiel Prinzessin Dianas Hobbys: Popmusik, Sonnenbaden, Schwimmen, Mode.

Unter dem Stichwort „Interessengebiete“ gibt es für Diana keine Angaben. Stellt man den Suchpfeil auf „Prinz Charles“, erscheint eine ganze Liste: Umweltschutz, traditionelle Architektur, biologischer Landbau, geistige Bildung/Erziehung, Naturheilkunde, Anthropologie, Oper. Seine Hobbys sind, so erfährt man: Polo, Fuchsjagd, Treibjagd, Angeln, Malen. „Die Ausstellung“, steht auf einem nachträglich in den Hochglanzführer eingefügten Aufkleber, „erfährt gelegentlich Änderungen. Gewisse Produkte sind im Souvenirladen nicht mehr erhältlich.“

Die augenfälligste Produktumstellung betrifft Sarah, Herzogin von York, die gerade ihres Titels einer „Königlichen Hoheit“ enthobene und aus der Royal Family verstoßene „Fergie“. Ihr Konterfei ist auf keiner der zahllosen Andenkenphotos, Ansichtskarten und Teetassen mehr zu finden.

Solange Märchenhochzeiten und Prinzenglück ins Haus standen, florierte die Monarchie. Seitdem die Prinzessinnen sich beim außerehelichen Turteln per Mobiltelephon und beim Petting am Swimmingpool erwischen lassen, hat sich ein Schatten über den Buckingham Palace gelegt.

Vor allem im Ausland sieht man das Königshaus als liebenswürdigen Anachronismus, eine aus dem Leben auf der Insel nicht wegzudenkende, gleichwohl politisch irrelevante Randerscheinung. Tatsächlich, behauptet der Labour-Abgeordnete Tony Banks, sei Großbritannien nach wie vor „eine mittelalterliche Monarchie, die ein gewisses Maß an Demokratie toleriert“.