Am 11. Dezember wird die Deutsche Börse AG in Frankfurt gegründet. Was bedeutet das für den Finanzplatz Deutschland?

VON ROSEN: Der Wettbewerb zwischen den europäischen Börsen ist sehr hart; mit der Gründung der Deutschen Börse AG wird das Ziel verfolgt, von den anderen Plätzen verlorengegangene Marktanteile zurückzugewinnen. Und die alarmierten Reaktionen der ausländischen Fachpresse zeigen: Wir sind auf dem richtigen Weg. Künftig werden alle Börsendienstleistungen aus einer Hand angeboten: das Aktien-, das Renten- und das Termingeschäft sowie die allgemeine Information und die Abwicklung der Geschäfte.

Wem gehört die AG?

VON ROSEN: Die Börsenmakler und Regionalbörsen beteiligen sich mit je zehn Prozent, achtzig Prozent werden von den Kreditinstituten gehalten, und zwar gewichtet nach ihrer Bedeutung für den deutschen Markt. Ich halte dies Verfahren für selbstverständlich: Ein Haus mit hohem Ordervolumen muß mehr Anteile halten und damit Einfluß auf die Aktiengesellschaft bekommen als kleinere Anstalten.

Kritiker sehen in der Neugründung einen Versuch der Großbanken, Konkurrenten zu verdrängen; der Privatkunde, so heißt es, sei der Dumme.

VON ROSEN: Diese Kritik ist mir zu billig. Niemand wird aus dem Geschäft gedrängt. Technische Neuerungen wie der Börsenorder-Service Boss, der Anfang kommenden Monats starten soll, erleichtern im Gegenteil den Börseneintritt von Marktteilnehmern außerhalb Frankfurts. Das zeigen die Erfahrungen mit dem EDV-System Ibis. Auch für die Privatanleger bietet Boss Vorteile: Sie können künftig zwischen Alpen und Ostsee ihre Orders vom Bankschalter direkt ins Skontrobuch der Makler aufgeben.

Bedeutet das nicht zwangsläufig das Ende der Regionalbörsen?