Bye-bye Verbmobil

„Das ist Science-fiction“, lautet das Fazit eines Gutachtens, das Stanforder Sprachforscher für die deutsche Regierung geschrieben haben: Ein „Verbmobil“, einen tragbaren Übersetzungscomputer, der in Verhandlungen den Dolmetscher ersetzt, wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Dieses Ergebnis läuft zwar den optimistischen Tönen von Protagonisten der „maschinellen Übersetzung“ zuwider, paßt aber zur bisherigen Geschichte der Disziplin, die dreißig Jahre lang nicht viel mehr als Rohübersetzungen nach dem Wort-für-Wort-Prinzip hervorbrachte. Neben den Übersetzungsproblemen sind viele Schwierigkeiten der maschinellen Spracherkennnung unbewältigt, nicht zuletzt die variantenreiche Sprechpraxis in ein und derselben Sprache. Martin Kay, Linguist an der Stanford University, schlägt vor, statt dessen Computerprogramme für Übersetzer zu schreiben, die sie über Fachbegriffe auf dem laufenden halten.

Lesen im Lebensbuch

Einen Meilenstein des Genomprojektes, dessen Ziel die Entschlüsselung der Erbinformation des Menschen ist, haben zwei Forschergruppen in den gleichzeitig in Nature (Bd. 359, S. 380-387) und Science (Bd. 258, S. 60-66) publizierten Arbeiten errichtet. Sie legten für 2 der 23 verschiedenen Chromosomen ein Inhaltsverzeichnis vor. Beide Forschergruppen benutzten die gleiche Methode: Sie vermehrten Bruchstücke des menschlichen Erbmaterials in Hefechromosomen, so daß sie an der DNA ablesen konnten, welche Gene benachbart sind – bis ein fortlaufendes Verzeichnis entstand. Jetzt können Forscher gezielter nach einzelnen Genen in den Chromosomen fahnden: Anstatt auf der Suche nach einem Gen jedesmal alle 10 000 „Bücher“ der „Bibliothek“ im Chromosom durchmustern zu müssen, können sie nun gleich mit dem richtigen „Buch“ beginnen. Die Suche nach der „Seite“, auf der die gewünschte Information steht, ist damit erheblich erleichtert.

Fernüberwachung im Bierkeller

Um den Bierdurst Tag und Nacht befriedigen zu können, rollen unzählige Fässer von den Brauereien in die kühlen Keller der Etablissements, in denen der Trinker sein Bier am liebsten genießt: an den Kneipentresen. Doch jedesmal, wenn das Faß leer ist, muß der Wirt in den Keller hinabsteigen, um ein neues anzuschlagen. Mit diesem Ritual soll nun in Holland Schluß gemacht werden. Ein in den niederländischen Forschungsinstituten TNO entwickeltes und bereits erprobtes Ausschanksystem verwandelt die Zapfsäule des Wirtes in ein High-Tech-Cockpit. In einem gekühlten Kellertank mit austauschbarer Füllblase messen Echolotgeräte den Bierpegel und melden ihn per Datenleitung an den Tresenterminal und an die Brauerei. Dort saugt ein Computer die Meßwerte ein und setzt, wenn der Saft zu versiegen droht, den rettenden Tankwagen in Marsch. Selbst die Fahrstrecke des Wagens wird vom Biercomputer vorgegeben.

Nicht zu kalt zum Leben

Auf dem Titan, dem größten der siebzehn Saturnmonde, hätte nach Ansicht des amerikanischen Astronomen Carl Sagan Leben entstehen können. Sagan und sein Kollege W. Reid Thompson hatten schon früher gezeigt, daß die organischen Verbindungen in der Atmosphäre des Himmelskörpers den kompletten Baukasten abgeben, aus dem auch das Leben auf der Erde entstanden ist. Bislang wurde angenommen, daß es nur an einer Bedingung fehlte: Der Titan ist eisig kalt, und ohne flüssiges Wasser kommt es nicht zu den erforderlichen Reaktionsketten. Ende September veröffentlichten sie eine neue Theorie: Titan weist viele Meteoritenkrater auf; bei den Einschlägen habe sich flüssiges Wasser mit organischen Verbindungen gemischt – also zu einem Milieu, in dem Leben entstehen konnte. Einzuwenden wäre freilich, daß diese Umwelt lange hätte andauern müssen, um der Evolution eine Chance zu geben.