Von Georg Blume und

Chikako Yamamoto Wir Deutschen“, sagt Daimler-Chef Edzard Reuter, „haben immer die Nase gerümpft, wenn japanische Teams mit ihren Photoapparaten bei uns herumgezogen sind. Aber wir sollten selber nach Japan gehen, um auch mal zu sehen, wie die Japaner produzieren.“ Gesagt, getan. Zusammen mit den Vorsitzenden der Konzerntöchter Deutsche Aerospace und Mercedes-Benz, Jürgen Schrempp und Werner Niefer, reiste Reuter vergangene Woche zu Mitsubishi nach Japan.

Zum vierten Mal schon trafen sich die Spitzen der beiden Weltkonzerne. Bei der ersten Zusammenkunft machten sie noch Schlagzeilen. Doch rasch kehrte Ruhe ein, denn konkrete Ergebnisse blieben aus. Schon spotteten deutsche Blätter, Daimler habe einen „Flop“ produziert. Reuter aber zeigte sich jetzt in Japan optimistisch: „Dies erfordert langen Atem. Auf solchen Strecken gibt es Versuchungen, den Bettel hinzuschmeißen. Doch wir werden bei der Stange bleiben, denn dieser Weg wird sich lohnen – wenn vielleicht auch erst in der nächsten Generation.“

Bis heute haben die Japaner allerdings ihre Karten gegenüber den Deutschen nicht aufgedeckt. Es kommt nun vor allem auf Yotaro Iida an, den Chef von Mitsubishi Heavy Industries. Über ihn urteilte die Wirtschaftszeitung Nihon Keizai: „Yotaro Iida ist wohl der einflußreichste Vorsitzende in der Geschichte der Mitsubishi-Schwerindustrie.“ Yotaro Iida, der seit 1985 zunächst Präsident und seit zwei Jahren Vorsitzender von Japans größtem Rüstungs-, Luft- und Raumfahrtkonzern ist, strotzt jedenfalls vor Kraft und Unternehmungslust. „Ich bin ein Mensch“, behauptet er, „der nie sagt: Mehr kann ich nicht machen. Heute verspreche ich Ihnen, daß ich im nächsten Jahrhundert mit einem Mitsubishi-Raumschiff in den Weltraum fliegen werde. Und ich hoffe, Daimler-Benz ist dann dabei.“ Iida hat eine Vorliebe für große Ideen und Projekte. Nicht allen ist sein Tatendrang geheuer. „Der Iida will mit Daimler ein Baby haben“, fürchtet sein deutscher Verhandlungspartner, Jürgen Schrempp.

In die Rolle des Juniorpartners will sich Daimler jedoch nicht drängen lassen. Reuter braucht Iida, denn als Vorsitzender von Mitsubishi Heavy Industries überwacht er die meisten Industrien, in denen sich Chancen für eine Kooperation auftun, allen voran die Luftfahrt- und Raumfahrtindustrie. Der Daimler-Chef erklärt sein Interesse an Mitsubishi mit der „fundamentalen Veränderung der Welt“, in der riesige Investitionen für neue Technologien die Unternehmen zwängen, „in größeren Einheiten zu denken“. Yotaro Iida sieht in den Gesprächen mit den Deutschen nicht weniger als „einen neuen Weg zum Frieden“. Und er fügt hinzu: „Das Ganze ist kein einseitiger Versuch Mitsubishis, sich eine Position im europäischen Markt zu sichern.“

Andere sehen das mißtrauischer. Das Pariser Blatt Le Monde warnt vor einer „neuen Achse“ Tokio-Stuttgart, und die New York Times fürchtet das „geballte Können der aggressivsten Industriegruppen in den boomenden Volkswirtschaften Deutschlands und Japans“.

Lange Zeit galt die Mitsubishi-Gruppe unter Tokioter Managern als „schlafender Riese“. Man spottete über den „staatstragenden Mitsubishi-Adel“, der den Anschluß ans moderne Japan längst verpaßt habe. Doch inzwischen hat die Kritik Wirkung gezeigt: „Kniet nieder vor dem Kunden!“ lautet heute eine interne Mitsubishi-Devise. Eine Serie spektakulärer Konzern-Schachzüge begann Ende 1989 mit dem Kauf des weltberühmten Rockefeller Centers in New York. Es folgte 1990 die für Japan sensationelle Fusion zwischen Mitsubishi Metal und Mitsubishi Mining & Cement, zwei Unternehmen, die einst auf Befehl der US-Besatzungsmacht getrennt wurden. Wieder ein Jahr später beteiligten sich 29 Mitsubishi-Unternehmen an der Gründung einer Firma für „Weltraumkommunikation“, mit der die Gruppe den Sprung ins Satellitengeschäft wagt. „Der Riese hat wieder zu laufen begonnen“, jubelt die Nihon Keizai.