„Ist’s Sinnentrug, was ich zu sehen meine?

Ist’s jüngster Tag? Denn Tote reiten.

Mit Sporen reizt ihr eure Rosse.

Ist den Helden Heimfahrt gegönnt?

Die Edda

Er ist wahrhaftig auferstanden. Wie er in den Tasten wühlt, auf dem alten Kasten spielt! Wie er auf die Orgel springt, trampelt und tobt, wie er den Dolch zückt und ihn ins Manual rammt, daß die gequälte Kreatur zum Himmel schrillt! Da haben wir ihn wieder: Keith Emerson, den Thor der Tasten, den großen Hämmerer des Rock.

Es gab eine Zeit, Anfang der siebziger Jahre, da standen Emerson, Lake & Palmer auf dem Dach der Welt. Rockmusik hatte ihre Unschuld schon verloren und den Zynismus noch nicht entdeckt. Art Rock entstand, ein britisches Geschöpf bildungsbürgerlicher Abkunft, ein Mischling aus Revolte und Stil: kaum geboren, schon romantisch todesnah. King Crimson ging zugrunde an Melancholie, Gentie Giant an eklektischer Virtuosität. Yes kam der Sonne zu nahe. Genesis überlebte, glatt und platt, auf Kosten jener dunklen Manierismen, die zur Erlösung führen, nicht zum Straßenkampf: Parzivals Rock ’n’ Roll.