Die Portraitbildnisse der scheuen, reizenden Prinzessin von Cleve und des unverblümt mit Augen und Händen agitierenden jungen Martin Luther sind zwei Meisterwerke der deutschen Renaissancemalerei. Zu bewundern im Schloßmuseum in Weimar, das die größte Cranach-Sammlung überhaupt hat. Waren zu bewundern, denn jetzt sind sie verschwunden. Sie wurden gestohlen, zusammen mit drei anderen Portraits von Cranach und drei Tafeln aus seiner Werkstatt. Schätzwert um die sechzig Millionen Mark.

Wir wollen hier nicht klagen über die gewiß mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen in den Museen der ehemaligen DDR. Schließlich sitzen wir inzwischen im gesamtdeutschen Glashaus, finden aber Neubauten in Bonn immer noch wichtiger als Altbauten in Schwerin und Weimar. Aber wir dürfen uns wundern über die Ignoranz brutaler Diebe, die diese weltweit bekannten Werke allenfalls zum Preis von Kopien werden verramschen können.

Zu dumm und zu feige, um in einer Bank einzubrechen. Gestohlen wurden nicht etliche Millionen Mark, und das ausgerechnet in Weimar, sondern etwas, was uns allen gehört und was wir schmerzlich vermissen. P.K.