Yves ist sechzehn, lebt in Ostberlin und hat einen Freizeitsport: Er sprüht Graffiti.

Yves, es gibt Leute, die sagen, das ist ’ne Schweinerei, was ihr da macht. Kannst du verstehen, daß sich viele darüber ärgern?

Na ja, manchmal schon. Wenn jemand zum Beispiel ’nen neuen Laden aufgemacht hat, und da ist gleich was draufgesprüht, würd’ ich wahrscheinlich auch ziemlich sauer werden. Oder ich würde mir von vornherein jemanden bestellen, der das gleich richtig zusprüht. Aber manche Leute erkennen eben diese Kunst dadrin noch nicht.

Was sollen denn diese Graffiti darstellen, die ihr hier gerade macht?

Na, das ist unser Lebensstil. Das hier zum Beispiel stellt ’nen ausgeflippten Typen dar, der einfach so verrückt ist wie all die Leute, die hier rumhängen.

Und was genau ist der Reiz daran?

Das is’ dieses Feeling, daß du bekannt bist in der Stadt, das is’ urst groß. Sagen wir mal, dieses Picture hier sehen jetzt andere Leute aus der Sprüherszene, dann wissen die: Der und der hat das gemacht, das ist irgendwie so ein Reiz, daß man anerkannt wird. Und dann natürlich der Nervenkitzel. Du weeßt ja nie, wirste erwischt. Also, das is’ das Ding: Du verschönerst die Stadt mit all den grauen Wänden, und alle Leute kennen dich. Du schreibst ja deinen Tagger-Namen drunter, und dann merken die Leute sich den Namen und suchen den dann irgendwo anders.