Von Jo E. Asvall

KOPENHAGEN . – in Sarajevo geht das gnadenlose Trommelfeuer weiter. Tod und Zerstörung sind für 380 000 Menschen alltäglich geworden. Sie sitzen in der Falle in einer Stadt, die um sie herum zusammenfällt.

Doch so schrecklich die Zustände dort jetzt sind – im Durchschnitt werden jeden Tag zehn Personen getötet, viele mehr werden verwundet –, die Zahlen könnten um ein Hundertfaches schlimmer werden, sobald der Winter einsetzt. Eine entsetzliche Drohung hängt über Sarajevo: Hungersnot.

Bis Ende August gelangten mit den Hilfeflügen die 240 Tonnen Lebensmittel in die Stadt, die sie täglich zum Überleben braucht. Aber als die Lufttransporte am 3. September eingestellt wurden, kamen pro Tag nur noch vierzig Tonnen auf dem Landweg in die Stadt. Das absolute Minimum für das Überleben der Bewohner sind 140 Tonnen am Tag.

Die Lager sind leer, und die Vorräte der Familien gehen zur Neige.

Anderswo in der früheren Sozialistischen Bundesrepublik Jugoslawien sieht es ähnlich aus. In Bosnien werden schätzungsweise zwei Millionen Menschen noch vor Jahresende Unterstützung mit Heizmaterial und Lebensmitteln brauchen. Über tausend Tonnen Nahrungsmittel täglich sind nötig.

Wenn die Kinder (es gibt 60 000 unter zehn Jahren in Sarajevo) bei der Lebensmittelverteilung nicht bevorzugt werden, droht vielen von ihnen noch vor Ende November der Hungertod. Die Erwachsenen werden einen Monat später folgen. Die Alten (35 000 Menschen in der Stadt sind über siebzig Jahre alt) sind am meisten gefährdet.