Es reicht nicht, über das Asylproblem zu klagen. Man muß es auch falsch anzupacken wissen. Ein kerniges Beispiel wird in Berlin praktiziert.

Am Waterloo-Ufer im Westbezirk Tiergarten befindet sich die ZAST, die Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber – Tag und Nacht belagert, eine hoffnungslos überlaufene Instanz. Um diesen unerträglichen Zustand in einen schlimmeren zu überführen, befahl Berlins Innensenator Heckelmann (CDU) die Verlegung der ZAST gen Osten, nach Hohenschönhausen. Der einstige Stasi- und Bonzenbezirk ringt derzeit um neuen Ruhm als Revier der Rechtsradikalen.

Unterdessen bedrängen Heckelmann alle Seiten – von Bischof Kruse bis zur Polizeigewerkschaft –, er möge den Plan ändern. Der neue Standort läßt sich schwer erreichen und ist vor Übergriffen kaum zu schützen. Alternativ zur Verfügung steht das Grundstück des soziokulturellen Pfefferwerks-Vereins im Prenzlauer Berg, der, Kreuzberg des Ostens, den Flüchtlingen besseren Schutz böte als Hohenschönhausen.

Heckelmann lehnt ab mit dem Vater aller Gründe: aus Prinzip. Nicht deutsche, aber Aus-Underkriminalität ist eine seiner Lieblingssorgen. Erst kürzlich blickte er tief in die Seele des Mobs zu Rostock-Lichtenhagen: „Was sich in den Zustimmungsbekundungen, wenn auch in völlig unvertretbarer Form, geäußert hat, ist nicht Rechtsradikalismus, Ausländerfeindlichkeit oder gar Rassismus, sondern der vollauf berechtigte Unmut“ über „den Massenmißbrauch des Asylrechts ...“

Senator, dein Wille geschehe! Berlin steht am Scheideweg. Wie will die Stadt Olympia 2000 bekommen, wenn sie, wie weltweit bekannt, erstickt in Würgegriff vietnamesischer Zigarettenhändlerinnen und jugoslawischer Hütchenspieler? Doch wer hört den Propheten Heckelmann? Wenigstens die Altgenossen aus Hohenschönhausen? „Gemeinsam gegen Asylmißbrauch“ heißt dort bereits eine Bürgerinitiative (mit Westberliner Anschrift), die um „Rat und Tat“ wirbt und messerscharf beweist, warum „kein einziger“ wirklich Notleidender unter den Berliner Asylanten sein könne: „Diese Menschen haben gar nicht die Kraft, geschweige denn die finanziellen Mittel, um die weite Reise nach Deutschland anzutreten.“ Christoph Dieckmann