Verwirrend, diese neuen Töne: „Wir begannen, über Träume zu sprechen. Wir unternahmen eine Wanderung in ein Traumland. Und je weiter wir gingen, um so mehr fiel von uns die kurzatmige Hektik ab, und eine innere Stärke entstand.“ Verwirrend deshalb, weil mit diesen Worten nicht etwa ein Selbsterfahrungsprotokoll beginnt. Nein, so sprach jüngst der Geschäftsführer einer großen deutschen Hotelkette vor geladenen Journalisten.

In einer Art dienstbeflissenem Coming-out enthüllte der Manager, wie er und seine kleine Kreativgruppe auf Traumpfade geraten waren. Vier Jahre lang hätten sie sich „die Sinnfrage nach Hotels der neunziger Jahre und des beginnenden 21. Jahrhunderts gestellt“. Doch so richtig schwierig wurde es erst, als sie dann auch noch „über den Sinn für den Gast“ nachdachten: „Da standen wir erst einmal, und dies durchaus für längere Zeit, genauso im Nebel wie ich hier oben auf der Bühne.“

Sollten wir den sonst so coolen Verkäufern sagen, daß die Sinnfrage – ob sie nun Hotels, das 21. Jahrhundert, den Gast oder was immer betrifft – schlechthin keine der leichtesten ist auf Erden? Oder lieber fragen, warum sie es sich so schwermachten, als sie konstatierten: „Die Vermietung eines Zimmers mit Dusche/Bad, Radio, TV, Telephon, Minibar, gutem Essen und Service, das alles kann es ja wohl nicht sein.“

Wenn man diese Essentials negiert und statt dessen nach den Sternen greift, sind vier Jährchen schnell vergrübelt. Wer weiß, was aus dem Hotel der Zukunft geworden wäre, hätten die Sinnsucher nicht auch „unglaubliche Mengen von Büchern und Magazinen aus aller Welt gewälzt“. So kamen sie darauf, daß es „primär etwas mit Geist, mit Philosophie und Emotionen“ zu tun haben müsse, wollten sie für ihre Gäste eine Erlebnis weit finden, „die auf festen, unverrückbaren Werten und Elementen basiert“.

Endlich aber glaubten die bedächtigen Brüter aus Frankfurt, einen Weg aus der „Sackgasse der hundertfach reproduzierten Langweiligkeit moderner First-Class-Hotels“ gefunden zu haben, und es konnte in praxi losgehen. Das geschah so: „Unsere Blaupausen wurden auf die bestehende Planung gelegt. Das gesamthafte Ideal auf die Realität.“ Und siehe: Sie lagen gut aufeinander.

Auf alle Fälle wird das Jahrhundert-Hotel „konsequent ökologisch gebaut oder umgebaut“. Und es verspricht dem Gast, den wir uns wohl als geschäftsreisenden Esoteriker oder als esoterischen Geschäftsreisenden vorzustellen haben, ungewohnte Kontaktmöglichkeiten und ein neuartiges Kommunikations-Ambiente: „Pflanzen und Blumen – lebende, künstliche und gemalte – prägen die Toiletten und Konferenzräume. Was gibt es Schöneres, als in der Natur miteinander zu reden?“ Ach, wüßten wir’s doch!

Ehrlich gestanden wissen wir am Ende der als Konzept ausgegebenen Rede nicht einmal, wie so ein Hotel nun wirklich aussehen soll, das uns in eine „bessere, menschliche, hedonistische, vielfältige, natürliche, individuelle, umweltbewußte, großzügige und sensible Welt“ entführen soll. Zudem noch ausgestattet mit Personal, das „smart, jung und genauso oder noch sensibler für Zeittrends wie die Macher des Konzepts“ zu sein hat.